Die Lage der Corona-Pandemie Mai 2021

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Autor: Manfred Nelting

Mai 2021

In Weiterführung meiner Gedanken zur Corona-Pandemie aus meinem Buch „Einsicht in Unerhörtes“, das im Mai 2021 erschienen ist, aber Anfang des Jahres schon Redaktionsschluss hatte, möchte ich hier wie angekündigt einen kurzen Lagebericht einige Monate später aus dem Mai 2021 geben.

 

Wir haben eine dritte Welle der Pandemie erlebt, uneinheitliche und intransparente Lockdown-Maßnahmen, und einen Rückgang der Infektionen bereits vor der seit Ende April geltenden sogenannten Bundes-Notbremse. Einige Politiker sprechen allerdings davon, dass ihr Handeln und ihre Entscheidungen die dritte Welle „gebrochen“ hätten. Die hatte aber bundesweit noch gar nicht greifen können, vielleicht in einzelnen Bundesländern durch vorgezogene Maßnahmen. Die Gründe lagen sicherlich hauptsächlich in der zuletzt durchaus gewaltigen Zunahme der Impfungen pro Tag gemäß der Priorisierung hauptsächlich nach Alter.

Die Intensivstationen waren wieder voll im Rahmen der zur Verfügung stehenden Betten, die durch den bereits vorbestehenden Pflegenotstand begrenzt ist, ebenso dadurch, dass sich die Krankenhäuser leestehende Betten nicht leisten können. Es wurde in der Öffentlichkeit gesagt, dass jetzt jüngere Menschen auf den Intensivstationen an Covid-19 sterben würden, obwohl es darüber kein Register gibt und das Durchschnittsalter der Sterbefälle weiterhin um 80 Jahre liegt. Nun wurde deutlich, dass die Hälfte der Patienten dort aus Hotspot-Stadtteilen kamen, Stadtteilen, in denen die Menschen sehr beengt in kleinen Wohnungen in Hochhäusern wohnten, aus ärmeren, vielfach prekären Verhältnissen kamen. D.h. sie waren schon in jüngeren Jahren vielfach vorerkrankt, wie man an sich seit längerem weiß, und hatten häufig Migrationshintergründe, also viele Menschen durch Sprachbarrieren die Regierungsmaßnahmen und pandemischen Zusammenhänge gar nicht verstanden hatten.

In Köln wurden in Stadtteilvergleichen zwischen reichen und armen Stadtteilen Unterschiede in den Inzidenzen von 0-30 (reich) und weit über 500, bis sogar 750 (arm) festgestellt. Dies hatte erfreulicherweise zur Folge, dass mobile Impftrupps zu den Hotspots geschickt wurden, die Menschen dort wurden endlich in ihrer Belastung und ihrem Leid gesehen.

Das Leid der Kinder in der Pandemie war im Verlaufe der Pandemie auch immer wieder in der Diskussion ohne dass gehandelt wurde. Nun war es unübersehbar und bei dem Impffortschritt trat die Gefährdung der Senioren zurück und die Schäden bei Kindern durch Lockdown und Schulschließungen traten in der öffentlichen Diskussion deutlich hervor. Daher soll es jetzt vorrangig um die Kinder gehen bei der weiteren Betrachtung.

Kinder in der Corona Pandemie

Kurze Vorrede:

Vor der Pandemie ging es bereits fast der Hälfte aller Kinder nicht wirklich gut, mangelte es vielen Kindern an Liebe in ihren Familien und etwa 25% der Kinder erlitten in ihren Familien schwere Vernachlässigung, körperliche und/oder emotionale Gewalt, viele insbesondere auch sexuellen Missbrauch. Diese hohe Zahl an Traumatisierungen spiegelte sich aufgrund der wissenschaftlich und kriminologisch gesicherten hohen Dunkelziffer (Faktor 10-15 des Hellfeldes) bisher nicht in der Kriminalstatistik wider, die nur die gemeldeten Fälle (das Hellfeld) zeigt. Jede/r 4. Schüler oder Schülerin zeigte psychische Auffälligkeiten. Dies wurde in der Presse veröffentlicht, wenn wieder eine Studie dazu bekannt wurde, ansonsten wurde dies nur marginal als eine zentrale Herausforderung für Gesellschaft und Politik aufgegriffen. Eine relevante strategische Konzeption der Regierung zu dieser Thematik mit einem klaren Umsetzungswillen hatte es vor der Pandemie nicht gegeben, obwohl der Politik diese dramatischen Zahlen und Dunkelziffern seit langem bekannt waren.

Gedanken zu „Kinder in der Pandemie“ setzen also auf dieser für viele Kinder schon schwer belastenden Situation auf, Beobachtungen hierzu sind somit nicht allein Corona- bzw. Corona-Maßnahmen-bedingt.

Analyse der aktuellen Situation:

Die gerade veröffentlichte aktuelle Kriminalstatistik 2020 spricht von einem Rückgang der allgemeinen Kriminalität, aber von einer Steigerung von körperlicher, sexueller und spezifisch emotionaler Gewalt von 6.5% bei den gemeldeten Fällen im Pandemiejahr 2020. Soweit der Bereich der Kriminalität.

Die tatsächliche Not der Kinder ist aber viel weitreichender: Mittlerweile ist jedes dritte Kind psychisch auffällig (COPSY-Studie des UKE Hamburg), die Folgen gehen bis zum Suizid. Belastet fühlen sich bereits vier von fünf Kindern durch die Pandemie. Insbesondere Kinder in armuts- bzw. armutsnahen Familien-Verhältnissen sind in der Pandemie deutlich schwerer betroffen, auch, da diese Familien in der Regel in beengten Wohnverhältnissen leben, dies gilt auch für viele Familien mit Migrationshintergrund.

Die Angst von Kindern und Jugendlichen nimmt zu, hierzu gehören auch Belastungsreaktionen der Kinder auf Ängste der Eltern, gerade auch Existenzängste, und depressive Verarbeitungen der Pandemie-Situation bzw. konkrete Ängste zu erkranken seitens der Eltern. Diese Ängste werden wiederum verstärkt durch die offizielle Informationspolitik mit hoher Wirksamkeit in der medialen Aufbereitung. Viele Eltern sind überfordert und in der psychischen Erschöpfung noch weniger als vorher in der Lage Kindern einen liebevollen Rahmen zu geben. Home-Scooling verschärft die soziale Ungleichheit, Schule könnte lebensnah auch mehr outdoor stattfinden, dies fordern erste Stimmen auch aus der Politik.

Kinder brauchen gleichaltrige Kinder, Jugendliche ihre Peergroup um in ihrer Entwicklung zu wachsen bzw. keinen Schaden zu nehmen. Kindergarten und Schule sind nicht allein Lernorte von Wissen, sondern insbesondere soziale Begegnungs- und Erfahrungs-Orte. Lehrer sind in der Regel zentrale Bezugspersonen, sie können auch gerade auffällige Kinder individuell betreuen und ihre seelische Situation und Gesundheit stützen. Dies gilt auch für andere soziale Möglichkeiten wie Sport, Musik etc., die Kinder aktuell umso mehr bräuchten.

Insofern sind die politisch verordneten Einschränkungen wie Lockdowns, Schul- und Kita-Schließungen, Untersagung des Sports im Freien und des Besuchs von Freizeiteinrichtungen konkret massiv schädlich für die Kinder und Jugendlichen und folgenreich für ihr weiteres Leben. Dies wird aber nicht wirklich in den politischen Entscheidungen der Regierung als Schaden gewertet und bleibt gegenüber mathematischen Modellierungen einiger Virologen und Epidemiologen und der ‚Freiheit‘ der Wirtschaft von Testpflichten ohne wesentliche Relevanz.

Diese ‚Kollateralschäden‘ werden dramatisch sein, wenn es keine Wahrnehmung des aktuell potenzierten Leidens der Kinder und Jugendlichen gibt und keine Umkehr zu liebevoller Fokussierung auf die Kinder.

Die Strategien zur Eindämmung der Pandemie brauchen sehr rasch eine Durchsicht auf Wirksamkeit, viele Entscheidungen von Politikern sind letztlich unwirksam, dabei intransparent. Wir brauchen kreative Lösungen, die die Welt und auch das Leid der Kinder und Jugendlichen wahrnimmt, einbezieht und Schaden von ihnen maximal abwendet.

Wir alle müssen also hinhören, was Kinder sagen! Ihre Ideen und Gedanken sind so wertvoll und vor allem auch realitätsnah, wichtig für lebendigen, wirksamen Schutz von Kindern und alten Menschen in der Pandemie.

Einige Corona-Fakten zur Orientierung:

Um lokal, also in Kreisen und Städten verantwortlich und insbesondere für die Kinder und Jugendlichen handeln zu können, sind einige grundsätzliche Fakten und Zusammenhänge nötig. Der deutsche Landkreistag hat diesbezüglich seine Bedenken zur Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes deutlich eingebracht.

Der Fokus allein auf Inzidenzen ist mittlerweile auch in der Wissenschaft umstritten, der verantwortliche Blick weitet sich und stärkt lokales Handeln. Mit der zunehmenden Anzahl geimpfter älterer Menschen, insbesondere hochbetagter, sinkt die Rate der Sterbefälle deutlich und verschiebt sich auch nicht auf jüngere Jahrgänge, wie medial berichtet wird.

Von etwa 80.000 Sterbefälle der Pandemie bis heute (4.5.2021) sind in der Altersgruppe von 0-19 Jahren 17 Menschen gestorben, Altersgruppe 20-49 Jahre 817 Menschen und 50-59 Jahre 2488. Alle anderen Sterbefälle waren älter, davon 87% 70 und mehr Jahre alt. Das Durchschnittsalter aller Sterbefälle liegt noch um 80 Jahre, wird nun in der Zukunft langsam etwas unter 80 J. sinken, da über 80-Jährige aufgrund der umfangreichen Impfungen nur noch selten an Covid-19 versterben werden. Diese Relationen gelten auch für die letzten Wochen, in denen sich die Mutante B 1.1.7 flächendeckend durchgesetzt hat bei neuen Infektionen und bei steigender Inzidenzzahl. Diese Zahlen weist ‚statista.com‘ nach Angaben des Robert-Koch-Instituts aus, die jede/r finden kann, wer „Corona-Sterbefälle nach Alter“ ins Internet eingibt. Trotz steigender Inzidenzzahlen unter Schülern sinken also die Sterbefälle deutlich aufgrund vieler geimpfter Senioren. Und die Impfungen gehen weiter.

Es muss bei aller Tragik der vielen Sterbefälle und dem Leid ihrer Familien erwähnt werden, dass bei einer in Tests nachgewiesenen Infektionszahl von etwa 3 Millionen Menschen weit über 80 % die Infektion praktisch symptomlos überstanden haben und bei Symptomatik die große Mehrzahl keine schweren Verläufe hatte, was zeigt wie leistungsfähig das Immunsystem der meisten Menschen ist. Da die Dunkelziffer nicht bemerkter Fälle bei den Infektionen mit SARS-CoV-2 etwa 4-5 betrug, sind weit über 10 Millionen Menschen mit dem Virus gut fertig geworden.

Im Rahmen der Zunahme der Testungen fängt jetzt die Dunkelziffer in einigen Bereichen an zu sinken, der Blick wird heller, aber die Schlussfolgerungen müssen die besonders gefährdeten Senioren noch im Blick behalten. Die postulierte neue Gefahr einer Sterblichkeit von Senioren durch Zunahme der Inzidenzen unter Schülern aufgrund der Mutante wird sich aktuell aber mit der Beschleunigung der priorisierten Impfung der über 60-Jährigen massiv verringern bzw. gar nicht aufkommen. Die Notwendigkeit der Sozialkontakte von Kindern- und Jugendlichen in Schule und Kindergarten und Freizeiteinrichtungen/Sport sind nun offensichtlich und vordringlich kontrolliert zu ermöglichen, Gesellschaft und Politik muss hier unverzüglich verantwortlich handeln.

Die Anzahl Erkrankungen schwererer Art durch Sars-Cov-2 bei Kindern und Jugendlichen (z.B. PIMS – Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrom) sind gering und in Deutschland traten bisher keine Todesfälle auf, die Symptomatik heilte bei Kindern fast immer vollständig aus. Noch seltener gibt es bei Jugendlichen schwere Verläufe. Es ist aber zu bedenken, dass es schon bei Jugendlichen immer wieder Suizide gibt, die die Erkrankungszahlen von Kindern und Jugendlichen mit schwerer Covid-19-Symptomatik übersteigen. In den allermeisten Fällen ging diesen Suiziden eine posttraumatische Belastungsstörung voraus, zu nennen sind hier erlittene Traumata (Gewalt, sexueller Missbrauch, Verwahrlosung), vorwiegend in den Familien, aber zunehmend auch durch Mobbing und in stark zunehmender Zahl Cybermobbing, insbesondere in der Pandemie. Die Kinder und Jugendlichen mit Suizidgedanken sind dabei um ein Vielfaches höher, insbesondere bei den zunehmenden psychischen Belastungsfolgen (aktuell ist jedes dritte Kind psychisch auffällig, Cybermobbing erlebt mittlerweile jeder 6. Schüler (das sind 2 Millionen junge Menschen), Tendenz steigend). Als wirksamster Präventionsort gelten dabei die Schulen, wenn Mobbing und Cybermobbing dort auch mit im Blick sind.  Hier brauchen wir also eine gemeinsame Sicht von Covid-19-Erkrankungsfolgen, Lockdown-Folgen (insbesondere Schulschließungen) und dem Wissen um schon vor der Pandemie bestehende Traumata und Belastungen unter Kindern und Jugendlichen.

Einen Blick auf Langzeitfolgen durch Covid-19-Erkrankungen (Long-Covid) gilt es sicherlich weiter zu halten, wir kennen dies in bestimmtem Umfang bei allen endemischen Infektionen. Es gibt aber bisher nur Schätzungen bezüglich der Anzahl, die Universität Dresden beginnt erst jetzt mit einem Register dafür bei Kindern (PIMS). Einige Experten sprechen insofern ohne vorhandene Datenbasis (aktuelle Untersuchungen aus England hierzu sind nicht ohne weiteres auf Deutschland zu übertragen, müssen im Übrigen weiter verifiziert werden) öffentlich über Zahlen, was weiter Angst schürt und die Diskussion integrativer Lösungen der unterschiedlichen Belastungen und Schäden durch einerseits Infektionen und andererseits Schulschließungen und anderer Lockdown-Folgen erschwert.

Wir wissen jetzt: Beachtung des Kindeswohls führt also nicht zu mehr Sterbefällen! Nichtbeachtung dagegen ist gefährlich für die Kinder, ihre Gesundheit, ihr Leben und ihre Zukunft.

Beispiele konkrete möglicher Ansätze für Handeln zum Kindeswohl:

Bei dieser Faktenlage im Frühjahr 2021 mit zunehmend wärmeren Außentemperaturen ist verantwortliches Handeln lokal möglich, notwendig und Not-wendend. Präsenzunterricht als sozialer Begegnungsbereich muss mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden auch bei höheren Inzidenzen. Indoor braucht es sicherlich Investition in Lüftungsgeräte, Abstandsregeln und Testungen, outdoor-Unterricht muss forciert werden. Singen draußen im Musikunterricht mit gebotenem Abstand ist ohne Gefahr (aktuelle Aerosolforschung), vielmehr immunstärkend. Auch in Kindergärten ist nun viel outdoor-Aktivität möglich. Hier muss Regierungspolitik eingefahrene Gleise verlassen.

In einigen Schulen werden schon regelmäßig Meditationen angeboten, eine Immunstärkung dieser Achtsamkeitsverfahren ist durch das MIT (Massachusetts Institute of Technology) und die Harvard Universität, beide USA, aktuell nachgewiesen worden. Auch die neue Trendsportart TaiJi-Bailong-Ball ( www.taijiball.com ), die wir auch  in den Gezeiten Haus Kliniken, insbesondere in der Kinder- und Jugend-Psychiarie/Psychosomatik in der Therapie nutzen, ist in diesem Sinne wirksam und sehr interessant und gut akzeptiert von Schülerinnen und Schülern (cool).

Sport für Kinder und Jugendliche ist dringend erforderlich und die lokalen Freizeiteinrichtungen müssen geöffnet werden. Die dort arbeitenden Sozialarbeiter und mehr davon werden dringend gebraucht als außerfamiliäre Ansprechpartner, wie die Lehrer in den Schulen. Beschäftigte in diesen Bereichen können sich bei ihren Hausärzten ggf. impfen lassen. Die Politik ist aufgefordert, die Gehälter im Bildungs- und Sozialbereich wie im Pflegebereich zügig anzupassen ohne Herumgerede. Ebenfalls muss die Weiterbildung aller Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, der aktuellen Situation angepasst werden, damit sie ihren betreuenden und präventiven Aufgaben wirklich von Herzen nachkommen können.

Der Bekanntheitsgrad von digitalen Adressen wie ‚krisenchat.de‘ und anderen digitalen und analogen Angeboten vor Ort ist zu stärken, z.B. über die Schulen, Sportverein und Freizeiteinrichtungen und Talkshows.

Beispielsweise hatte Markus Lanz in diesem Sinne in seiner Sendung am 11.2.2021 Kai Lanz (keine Verwandschaft), einem der Gründer von ‚krisenchat.de‘, ausgiebig Raum gegeben um die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung für deren vorwiegend ehrenamtliche Arbeit anzumahnen.

Eltern sollten mit ihren Kindern viel in die Natur gehen, wo immer das möglich ist, und sich bei Überforderung an Beratungsstellen wenden. Es ist kein Versagen, in der Pandemie mit sich, den Kindern und den Umständen schwer zurechtzukommen. Der Sozial-Staat muss Familien in Not konkret auch finanziell unterstützen, solange keine anderen würdevolleren Konzepte wie z.B. bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt sind.

Regierungs-Politik muss jetzt endlich die Bedürfnisse von Kindern und Familien in den Blick nehmen, um den Kindern Zukunft zu erhalten. Hier ist gut auf Lokalpolitiker, Bürgermeister zu hören und Kinderstimmen in den demokratischen Prozess einzubeziehen. Dafür sind passende Strukturen zu schaffen, in denen Erwachsene bei Kindern und Jugendlichen wirklich hinhören, was sie erzählen. Dies versuchen viele Eltern auch schon trotz Belastung.

Vieles ist jetzt offensichtlich, nun ist Handeln angesagt; dabei Gemeinsamkeit zu suchen ist weise!

Gedanken zur Wiederausübung von Grundrechten für Geimpfte und Genesene

Ob die Genesenen und die Geimpften und Menschen mit guter Hintergrund- und Kreuzimmunität zusammen in eine Herdenimmunität führen, ist noch unklar. Ebenso ist nicht geklärt, wie anhaltend überstandene Infektionen bzw. Impfungen einen Virus-Schutz geben. Es wird öffentlich darüber diskutiert, dass möglicherweise Auffrischimpfungen regelhaft notwendig werden könnten, aktuell ohne Wissen um die zeitlichen Abstände. Insofern ist es durchaus wahrscheinlich, dass wir mit dem Virus leben und langzeitig umgehen müssen. Hierfür brauchen wir alle ein kräftiges Immunsystem, auch im Alter. Dies sollten wir alle als gesellschaftliche Akteure zum Anlass nehmen, unsere Gesellschaft neu zu gestalten, sodass sich Angst und Stress systemisch verringern können und Kooperation und Achtsamkeit gefördert wird. Denn Angst und Stress schwächen das Immunsystem ganz besonders.

Geimpfte tragen nach Exposition von Corona-Viren nach derzeitigem Wissensstand durch ihre einige Monate lang bestehenden Antikörper schon im Nasenrachenraum offensichtlich nach kurzer Zeit (vielleicht einige Stunden, vielleicht auch 1 bis 2 Tage?) nur noch eine geringe Viruslast, sie werden das Virus also nur selten weiterverbreiten. Wie lange der Schutz anhält, ist noch unklar und offensichtlich u.a. sehr individuell. Selten kommen Infektionen bei einigen geimpften Menschen innerhalb weniger Monate nach Impfung vor, möglicherweise aufgrund individueller genetischer oder immunbedingter Faktoren.

Es ist unklar, ob nach Absinken der Antikörper noch eine spezifische T-Zell-Immunität besteht, die dann bei Exposition wieder die Immunkraft aktiviert. Menschen, die im Jahre 2003 mit dem Sars-1-Virus infiziert waren, hatten 2020, also 17 Jahre danach, noch spezifische T-Zell-Immunität. Dies wird aktuell bei Sars-Cov-2 nicht regelmäßig untersucht, weil es zu teuer ist. Insofern scheint es einfacher und preiswerter zu sein alle halbe Jahre wieder eine Auffrischimpfung zu geben. Das ist für die Firmen, die Impfstoffe herstellen sicherlich ein gutes Geschäft, aber möglicherweise nicht nötig. Es sollte rasch Geld für Forschungen zur spezifischen T-Zell-Immunität vom Forschungsministerium zur Verfügung gestellt werden, um hier mehr Klarheit zu bekommen.

Es muss also noch geklärt werden, wie lange Geimpfte ihre durch die Impfung wiedererlangten, vorher zeitweilig eingeschränkten Grundrechte behalten können bzw. dies durch Folgeimpfungen verlängern müssen.

Die wird bei den Genesenen ja so bestimmt, dass sie für die Wiedererlangung dieser Grundrechte einen PCR-Test, der ihre Infektion nachweist, vorlegen müssen, der nicht älter als 6 Monate ist. Das bedeutet, dass sie 6 Monate nach Infektion aus der Ausübung dieser Grundrechte wieder herausfallen, was also jeden Monat etwa 10-20.000 Menschen betrifft.

Menschen, die vor einem Jahr ihre Infektion hatten, können ihre Rechte nicht geltend machen, ebenso alle die, die eine Infektion unbemerkt überstanden hatten, also vermutlich knapp 10 Millionen Menschen in Deutschland, wie ich schon erwähnte.

Möglicherweise würden alle diese Menschen eine erneute Corona-Infektion gar nicht mehr übertragen aufgrund ihrer spezifischen T-Zell-Immunität. Finanziell privilegierte Menschen können dies prüfen lassen, andere haben nicht die Mittel dafür.

Diese Gedanken gehören alle in eine Gerechtigkeitsdebatte, die offensichtlich nur rudimentär mit dem bevorzugten Fokus auf Impfungen abläuft und vermutlich die Impfbereitschaft stärken bzw. hochhalten soll.

Insgesamt sollen Geimpfte, kürzlich Genesene und Getestete gleichermaßen ihre Grundrechte wieder umfangreich ausüben können, aber es wird schon darüber diskutiert, dass Getestete einen Unsicherheitsfaktor bezüglich der Virusübertragung haben, da die Tests z.B. am ersten Tag einer Infektion eine geringe Viruslast noch nicht erfassen, diese aber in den nächsten 24 bis 48 Stunden stark ansteigen könnte. Daher wird jetzt schon bei Nichtgeimpften bzw. kürzlich Genesenen für viele Zugänge und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ein tagesaktueller Test verlangt, was sicherlich sinnvoll ist.

Anfang Juli 2021 werde ich hier weitere Gedanken zur Pandemie aktualisiert schreiben.

Manfred Nelting

 

 

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