Update Kinder-Kompass Corona

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Mein Kompass zur Orientierung Teil I vom 18.12.2021 zeigt sich inhaltlich in allen Aspekten nach wie vor gültig. Dieses Update ist im Zusammenhang damit als Ergänzung und Aktualisierung zu verstehen.

Wie dort gesagt, auch die Delta-Variante konnte von gesunden Kindern und Jugendlichen mit ihrem angeborenen Immunsystem bereits gut auf Schleimhaut-Ebene der oberen Luftwege symptomfrei bzw. mit milden Symptomen bekämpft und eliminiert werden. Dies gilt nach den bisherigen Beobachtungen und Daten noch stärker für die Omikron-Variante.

Einer der zentralen Faktoren in der Wirksamkeit der Nasen/Rachen-Schleimhaut-Abwehr bei der Bekämpfung von Corona-Viren liegt in der Schnelligkeit und Stabilität der Interferon-Antwort der Zellen dort durch ihren hohen Gehalt an Sensormolekülen (RIG-I und MAD5), die Virus-RNA erkennen und sofort Alarm schlagen. Dadurch kommt es zu einer starken Interferonproduktion und einer effektiven allgemeinen Immunreaktion, wodurch das Virus eliminiert wird, bevor es z.B. in die Lunge gelangen kann. Die verminderte Fähigkeit der Omikron-Variante sich in Lungenzellen zu vermehren, ist noch ein zusätzlicher Hintergrund-Schutz, der in der Regel bei Kindern und Jugendlichen nicht gebraucht wird.

Wie bisher bei der Delta-Variante wurden auch bei Omikron-Infektionen in entsprechend geringer Zahl hauptsächlich kleine Kinder bis 2 Jahre ins Krankenhaus aufgenommen. Dies ist nicht in einer primären Schwere der Erkrankung begründet, sondern darin, dass bei den kleinen Kindern die Bronchiolen noch so eng sind, dass bei höherem Schleimanfall eine schlechtere Sauerstoffversorgung resultieren kann. Die Behandlung besteht insofern neben der Schleimreduktion in der zusätzlichen Sauerstoffgabe über wenige Tage unter Kontrolle der Sauerstoffsättigung auf der allgemeinen Kinderstation. So bessert sich dies rasch, äußerst selten braucht ein kleines Kind dabei intensivmedizinische Versorgung.

Die STIKO bleibt auch in der Omikron-Phase bei ihrer im Dezember 2021 erklärten Haltung zur Impfung der 5-11-Jährigen, die Impfung nur für Kinder mit Vorerkrankungen bzw. im Falle von Vorerkrankten im familiären Umfeld zu empfehlen sowie bei ausgesprochenem Wunsch der Eltern dies zuzulassen.

Das liegt auch daran, dass schon die Delta-Variante weniger PIMS-auslösend war, die wenigen kleinen Patienten, die aktuell wegen PIMS noch im Krankenhaus liegen, waren noch mit der Delta-Variante infiziert. Seit Beginn der Pandemie bis Anfang Februar wurden 631 PIMS-Fälle gemeldet. Eine

Notwendigkeit der Impfung aller Kinder von 5 bis 11 Jahre aufgrund der seltenen PIMS-Fälle ist insofern auch nicht gegeben.

Für Omikron liegen noch keine Meldungen von PIMS in Deutschland vor, da diese seltene Erkrankung erst nach einer Latenzzeit von 2-6 Wochen auftritt und erst seit Jahresbeginn 2022 die Omikron-Infektionen in größerer Zahl auftreten. Hier gilt es weiter zu beobachten. Dies gilt auch für Long Covid Verdachtsfälle in der Omikron-Welle, die natürlich zeitlich noch nicht gesehen werden konnten.

Das Sterberisiko bei Kindern und Jugendlichen in der Omikron-Welle bleibt weiterhin auch international extrem selten. In Deutschland gab es noch keinen Todesfall bei Kindern und Jugendlichen. Die Hospitalisierungsrate, die Aufnahme auf Kinderintensivstationen sowie die Notwendigkeit einer Beatmung war schon unter der Delta-Variante äußerst gering und sinkt bei Omikron-infektionen über alle Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen weiter um 70% gegenüber der Delta-Variante.

 

Long Covid

Über Long Covid-Verläufe bei Kindern und Jugendlichen habe ich im Kompass Teil I ausführlich geschrieben, die bisherigen Studien haben weiterhin wenig Aussagekraft, da es nach wie vor keine klare Definition dieses Syndroms gibt, ebenso wenig wie einen klaren Zusammenhang zur Corona-Infektion im Kindesalter. Die bei einigen Erwachsenen, die sich mit der Delta-Variante infiziert hatten, in einer Studie beobachteten Veränderungen der Verformbarkeit und Stabilität der Blutkörperchen, die u.a. als ein möglicher Grund für Long Covid gesehen wurden als Virusfolge, kommen für die Infektionen bei Kindern und Jugendlichen im Grunde nicht in Betracht, weil die Viren im jugendlichen Alter bereits auf Schleimhautebene erfolgreich bekämpft werden. Es sind auch für Kinder keine Laborparameter bekannt, die sich für eine Definition eignen.

Inwieweit Impfungen anhaltend vor Long Covid bei Kindern schützen, ist in Zweifel geraten, seit bei der Delta-Variante nach Impfungen der 12-17-Jährigen auch bei ihnen Long Covid-Symptomatik-Fälle im Winter 2021 aufgetreten sind. Dies ist vermutlich auch begründet im Nachlassen des Impfschutzes nach einigen Monaten. Angesichts des noch geringeren und zeitlich begrenzteren Impfschutzes der Impfung bei der Omikron-Variante ist das Argument, wegen Long Covid jetzt weiter Kinder und Jugendliche mit dem für das Wildvirus entwickelten Impfstoff zu impfen, nicht mehr überzeugend. Da Schulschließungen erfreulicherweise nicht mehr stattfinden, auch stärkere Lockdown-Szenarien bei Omikron nicht mehr geplant sind und die Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen in Kürze erfolgen werden, wozu für die Kinder und Jugendlichen auch die Sportmöglichkeiten wieder gehören, gehe ich von einem deutlichen Rückgang neuer Long Covid-Verläufe in diesen Altersgruppen aus.

Eine vielbeachtete und in der Öffentlichkeit zitierte und diskutierte im Januar 2022 veröffentlichte Studie aus Dänemark, die mit einer Kontrollgruppe gearbeitet hat, zeigt zwar, dass Long Covid bei Kindern selten und wenn, dann von kurzer Dauer ist. Sie hat aber gravierende methodische Fehler: Definitorisch werden dort 15 Kategorien verwendet, allerdings wurde für die Kinder mit positivem Corona-Test ein Persistieren von solchen Symptomen über 4 Wochen oder mehr nach der Infektion abgefragt, bei der Kontrollgruppe aber, ob es im vergangenen Jahr ein Auftreten von solchen Symptomen gegeben habe, die 4 Wochen oder länger angedauert haben. Dadurch schlagen mehr Symptome bei der Kontrollgruppe zu Buche, z.B. durch chronische vorbestehende Krankheiten. Damit hat die Vergleichsrechnung leider wenig Aussagekraft.

Insgesamt gibt es für Long Covid-Verdachtsfälle von Kindern und Jugendlichen kaum gesicherte Beweise für die konkrete Virusgenese, aber eine hohe Plausibilität für die Entstehung aufgrund psychosomatischer Zusammenhänge. Es sei noch einmal hier gesagt, dass die Psychosomatik Zusammenhänge und Interferenzen zwischen tatsächlichen körperlichen und psychischen Symptomen erfasst und in der Forschung eine hohe Evidenz aufweist. Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass Psychosomatik nur für psychische Symptome zuständig ist. Aber nein, sie schließt genauso körperliche Symptome und entsprechende Diagnostik mit ein.

Ergänzen möchte ich noch, dass Ärzte, die viel Erfahrung in der Behandlung von Kindern mit Infektionen haben, wissen, dass ein zentraler Modulationsfaktor für den Verlauf und die Schwere der Erkrankung des Kindes die Angst der Mutter um das Kind ist. Hat die Mutter ein Grundvertrauen in das Leben und besteht ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt/Ärztin und Mutter, geht dieses Vertrauen auf das Kind über und so kann die Immunabwehr ungestört und kraftvoll ablaufen im Verein mit der passend gewählten Behandlung. Andernfalls gilt es, die Ängste der Mutter ernst zu nehmen und in gute Gestaltung zu bringen, für eine dann viel günstigere Verlaufs-Chance der Infektion beim Kind.

In den meisten Studien zu Long Covid wird kaum beachtet, dass bei der Symptombefragung ein Kind die Ängste der Eltern und ihre sorgenvolle Symptomwahrnehmung beim Kind widerspiegelt. Dies gilt es aber bereits in der Methodik der Studien zu beachten, damit nicht Daten ermittelt werden, die gar nicht dem realen Geschehen entsprechen.

 

Impfungen

Zusammenfassend ist hier zu sagen, dass es für die Omikron-Phase keine neuen Gründe für eine Impfung der Kinder von 5-11 Jahren gibt, gesunde Kinder haben für die Omikron-Variante einen kraftvollen Schutz durch das angeborene Immunsystem. Insofern gilt hier die STIKO-Empfehlung weiter.

Die Notwendigkeit einer Impfung der Kinder ab 5-11 Jahren wurde ja, abgesehen von epidemiologischen Gründen, von Politikern hauptsächlich mit der seltenen, aber möglichen Infektionsfolge PIMS und der ggf. infektionsbedingten häufigeren Long Covid-Symptomatik begründet. Das Risiko für gesunde Kinder durch das Omikron-Virus einen schweren Verlauf zu erleiden ist aber nicht gegeben und wird die absolute Ausnahme bleiben.

Die Begründung für eine Impfung in diesem Alter wird also eher schwächer, da bei der nachgewiesenen vorrangigen Lokalisation des Infektionsgeschehens auf der Ebene der Nasen/Rachen-Schleimhaut mit besonders wirksamer Eliminierung des Omikron-Virus bereits dort, eine systemische Immunreaktion wie PIMS unwahrscheinlicher wird als bei den vorangegangenen Varianten.

Auch Long Covid-Symptome werden, wie schon gesagt, angesichts eines schon jetzt zu beobachtenden Rückgangs der Eltern-Ängste und keiner weiteren zu erwartenden Lockdown-Szenarien in der Omikron-Phase sicherlich seltener auftreten.

Und epidemiologische Gründe, also die Verhinderung der Infektion und Virusweitergabe durch Impfung bei Kindern, spielen bei der Omikron-Variante ja keine Rolle mehr, da durch die an Omikron nichtangepassten Impfstoffe das Risiko sich zu infizieren weder bei Kindern noch Erwachsenen nennenswert verringert wird.

Sollte es zu einer klar definierten direkt virusbedingten nachweisbaren Infektionsfolge Long Covid in Abgrenzung zu psychosomatischer Long Covid- Symptomatik kommen und dies unter Omikron gehäuft auftreten, muss die Sinnhaftigkeit der Kinder-Impfung neu diskutiert werden.

Für die Jugendlichen von 12-17 Jahren empfiehlt die STIKO jetzt auch das Boostern nach drei Monaten nach der 2. Impfung. Sie begründet das mit den stark ansteigenden Infektionszahlen und weiter damit, dass der Schutz vor Infektion nach wenigen Monaten abnehme und die Wirksamkeit der Impfung bei der Omikron-Variante deutlich geringer sei.

Sie begründet es nicht mit dem Schutz vor schweren Verläufen. Denn die sind auch bei den Jugendlichen durch die Wirksamkeit der angeborenen Immunabwehr sehr selten. Es handelt sich also um eine Empfehlung auf epidemiologischer Grundlage, die aber wie bei den Erwachsenen argumentativ an Kraft verliert, weil die nicht an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe eben nur noch wenig Schutz vor Infektion und Weitergabe der Viren bewirken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Kinder und Jugendliche zu ihrem individuellen Schutz die Impfungen mit den Impfstoffen, die gegen das Wildvirus entwickelt worden waren, aufgrund der sehr wirksamen angeborenen Immunabwehr auch bei der Omikron-Variante nicht brauchen und die Impfstoffe kaum noch einen entscheidenden Beitrag zur epidemiologischen Eindämmung in der Omikron-Phase leisten.

Denn die Boosterung wirkt ja nicht mehr sehr spezifisch, sondern verstärkt für wenige Wochen allgemein immunanregend. Diese Anregung braucht aber die anhaltend aufgeweckte angeborene Immunabwehr bei Jugendlichen gar nicht und sie wirkt bereits auf Schleimhaut Ebene viruseliminierend und nicht erst mit wenig zielgerichteten Antikörpern auf dem Umweg über die Blutgefäße. Dies gilt bei Omikron auch für eine aktuelle erste Impfung für Kinder und Jugendliche, die als Anregung und individuellen Schutz in dieser Welle keine Wirkung mehr zeitigen wird und in ihrer nachfolgenden Wirkung gering wäre.

Die Antikörperspiegel bei geimpften und geboosterten Kindern und Jugendlichen werden bis zum Herbst wieder abgefallen sein, d.h. auch der geringe Schutz vor Ansteckung ist dann nicht mehr vorhanden, ein individueller Schutz durch T-Zellen aufgrund der geringen Spezifität für Omikron durch die Impfung vermutlich dann auch marginal. Mit Blick auch auf den Herbst ist eine Impfung jetzt für Kinder und Jugendliche also ohne große Relevanz.

Je nach Variante, die im Herbst auftritt, und dem Vorhandensein spezifizierter bzw. breiter wirksamer Impfstoffe, ist die Impfdiskussion ggf. neu zu führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Herbst weiter das Omikron-Virus bzw. ein Corona-Virus mit Ähnlichkeit zur Omikron-Variante, also weniger gefährlich auftritt, eher weiter in Richtung und im Sinne eines Schnupfen-Virus ist erfreulicherweise sehr wahrscheinlich.

 

Impfnebenwirkungen

Es wird immer wieder von einer hohen Zahl von Impfnebenwirkungen und hohen Todesfallzahlen infolge der Impfung, vorwiegend in den social media-Kanälen gesprochen. Dabei wird sich u.a. auf Datensammlungen der europäischen EMA-Datenbank EudraVigilance bezogen.  Hier melden die EU-Länder die ihnen im Lande gemeldeten Verdachtsfälle auf Impfnebenwirkungen und auf Todesfälle. Näheres zu dieser Datenbank und wie die Daten dort zu interpretieren sind bespreche ich im Kompass Teil II für Erwachsene.

Bei der EMA finden sich nur wenige Verdachtsfälle von Tod von Kindern und Jugendlichen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung, die für Deutschland jeweils vom Paul-Ehrlich-Institut weitergemeldet worden sind.

Die Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut von Verdacht auf Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und Todesfällen, die von Ärzten mit der Corona-Impfung in Zusammenhang gebracht worden sind, sind in Deutschland allerdings im EU-Vergleich deutlich weniger. Dänemark und die Niederlande verzeichnen etwa viermal mehr Meldungen von Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen als Deutschland. Die Zahle der Meldungen von Todesfällen nach Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen in den beiden Ländern ist mir allerdings nicht genau bekannt.

Laut aktuellem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom 26.Oktober 2021 sind seit August 2021, dem Beginn der Corona-Impfungen von Jugendlichen von 12-17-Jahren bei ca. 1,9 Millionen Impfungen 1.809 Verdachtsfälle von Impfkomplikationen bei Jugendlichen gemeldet worden mit mindestens einer Impfreaktion. Darunter sind fünf Fälle mit tödlichem Ausgang im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung.

Ob diese Sterbefälle in ursächlichem Zusammenhang mit der Impfung stehen, ist laut PEI nur bei einem Fall hochwahrscheinlich, bei 4 Fällen nicht zweifelsfrei beurteilbar aufgrund vorbestehender schwerer Vorerkrankungen. Anfang November 2021 ist ein weiterer Todesfall eines 12-jährigen Kindes, das 2 Tage nach der Zweitimpfung verstorben ist, gemeldet worden.

Diese 6 gemeldeten Todesfälle als Verdacht einer Impffolge in Deutschland gilt für die Jugendlichen von 12-17 Jahren. 3 weitere Todesfälle im November 2021 sind mittlerweile bekannt geworden. Die Zahl der Todesfälle mit zeitlicher Nähe zur Corona-Impfung bei Kindern von 5-11 Jahren beliefen sich im Dezember 2021 auf 7 Kinder, alle 7 Kinder litten an schweren Grunderkrankungen. Zusammen sind das 16 Verdachtsfälle.

Verstorbene Kinder und Jugendliche mit positivem PCR-Test hatten in fast allen Fällen schwere Grunderkrankungen. Wie im Kompass Teil I schon erwähnt, gibt es deutliche Hinweise in den wissenschaftlichen Untersuchungen, dass vermutlich 40% an ihrer Grunderkrankung gestorben sind und nicht an der Corona-Infektion und 60% an der Corona-Infektion auf dem Boden ihrer Grunderkrankung. Auch hier sind die Sterbefälle also Verdachtsfälle. Die Statistik weist 32 Sterbefälle bis Dezember 2021 von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre mit positivem PCR-Test aus, fast alle mit schweren Vorerkrankungen.

Bezogen auf etwa 3 Millionen Impfungen bei Kindern und Jugendlichen im Dezember 2021 und mehr als 6 Millionen, die nicht geimpft waren, sind die Sterbefälle in beiden Gruppen anzahlmäßig ähnlich, 16 Impf-Verdachtsfälle bei 3 Millionen und 32 Infektions-Verdachtsfälle bei gut 6 Millionen. Wenn man die restlichen gut 6 Millionen Kinder auch impfen würde, würde das Sterberisiko also nicht sinken.

In beiden Gruppen waren jeweils Kinder und Jugendliche mit schweren Grunderkrankungen gestorben. Das Risiko für gesunde Kinder und Jugendliche an der Impfung oder an der Infektion zu sterben, geht somit gegen Null.

Diese Zahlen und Überlegungen gelten so für die Delta-Welle, die ab Juni/Juli 2021 bis etwa Mitte Januar 2022 vorherrschend war. Ab der dritten Januar-Woche beschreiben die Hochrechnungen des RKI schon eine dominierende Zahl an Omikron-Infektionen, die aktuell über 95% Anteil an den Infektionen haben.

Für die Infektion mit der Omikron-Variante wurden in Deutschland bisher keine Todesfälle von Kindern und Jugendlichen gemeldet. Sollte sich in den nächsten Wochen anhaltend bewahrheiten, dass Kinder und Jugendliche kein Risiko haben an der Omikron-Variante zu sterben, wäre zukünftig die weitere Impfung für diese Altersgruppen in Frage zu stellen, weil dann offensichtlich allein Sterbefälle durch Impfung zu verzeichnen wären. Ein Nutzen der nichtangepassten Impfstoffe zum individuellen Schutz vor schwerer Erkrankung ist bereits nicht mehr gegeben, schwere Erkrankungen bei gesunden Kindern und Jugendlichen sowieso sehr selten und bei Omikron bisher kaum beobachtet.

Die zukünftig dann noch ggf. richtige Entscheidung zur Impfung trotz verringerter Wirksamkeit der aktuellen Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen ist gemäß der STIKO-Empfehlung bei 5-11-Jährigen von den Eltern mit ihren KinderärztInnen abzustimmen, diese Empfehlung sollte sinnvollerweise wieder entsprechend ihrer ersten Empfehlung auch für die 12-17-Jährigen von der STIKO aktiviert werden.

Da die Elternängste um ihre Kinder berechtigterweise zurückgehen, Schulschließungen und Lockdowns nun nicht mehr zu befürchten sind, die Omikron-Welle ihren Peak in Kürze erreichen wird und die Lockerungs- und Öffnungs-Strategien intensiv diskutiert werden, für Kinder insbesondere auch rasch die Sportmöglichkeiten und Jugendzentren wieder zu öffnen, können wir alle nun in angemessenen Schritten mit Freude und Zuversicht in den kommenden Frühling gehen. Weitere Erkenntnisse in den nächsten Monaten werden Klarheit über zukünftig notwendige und sinnvoll angemessene Strategien für den Herbst bringen.

 

Nachdenken und Lernen aus der Pandemie für das Wohl der Kinder

Es gibt sicherlich viele Lehren aus der Pandemie zu ziehen mit Blick auf die Kinder. Sie haben am meisten unter dem Hin und Her der Maßnahmen und den allgegenwärtigen Ängsten gelitten.

Ich möchte hier den Fokus einmal auf die Kinder im Schulalter richten, die durch epidemiologisch wenig wirksame Schulschließungen und ständig wechselnde Anordnungen ihr wichtiges soziales Feld mit all den Beziehungs- und Freundschaftsstrukturen über Wochen und Monaten verloren haben. Dies halte ich für noch zentraler als die entstandenen Bildungsdefizite, die vor allem die bildungsferneren SchülerInnen zurückgeworfen haben. Aber die intrinsische Lernmotivation, die oft verdeckt in allen Kindern schlummert und über die auch gerade das Aufholen von Lernstoff funktionieren wird, war schon vor der Corona-Pandemie das dramatisch ignorierte Thema mit nachhaltig negativen und belastenden Folgen für die Kinderseelen.

Nach dem ersten Lockdown in 2020 kam schon die Frage auf, ob man die Herausforderungen durch die Pandemie nicht nutzen und Schule generell neu ausrichten könnte. Bürokratische Strukturen haben hier wie Steine im Weg gelegen. Man hätte die Schulschließungen nutzen können für innovative Wege, indem man die verschiedensten Schulträger zusammenbringt, um kreativ zu gestalten.

Ein Dialog mit staatlichen Schulen, an denen Lehrer Interesse an kreativer Weiterentwicklung haben, mit reformpädagogischen Schulen, freien Trägern, Waldorf-Schulen und anderen, der damals blockiert war, sollte jetzt unbedingt stattfinden, wie es z.B. der Schulverbund „Blick über den Zaun“ seit Jahrzehnten zunehmend erfolgreich versucht. Der Fokus für Erneuerung war in der öffentlichen Diskussion hauptsächlich auf den Aufbau digitaler Struktur gerichtet. So wichtig dies ist, dreht es sich bei dem Wohl für die Kinder im Kern um die Entwicklung einer Lehrer-Schüler-Beziehung, die zur Lernfreude und Begeisterung führt.

Ich habe dieses Thema ausführlich in meinem im letzten Jahr erschienenen Buch „Einsicht in Unerhörtes“ kritisch erörtert und Anregungen für kreative Gestaltungen gegeben. Die Sinnhaftigkeit solchen Vorgehens im Interesse der Lernfreude und intrinsischer Motivation der Kinder und Jugendlichen habe ich u.a. auch aus hirnphysiologischer Sicht erklärt. Dieses Buch halte ich für sehr hilfreich für Lehrer, Eltern, aber auch Schulträger, um diesen Dialog im Gespräch und besonders auch Tat-kräftig vorwärts zu bringen. Weitere Informationen finden Sie, wie immer, auf unserer Familienseite

www.neltings-welt.de

Zur Info: Der Kompass Teil II für Erwachsene folgt bereits Mitte Februar 2022, Sie finden ihn ebenfalls auf unserer Familienseite.

Ich danke für Ihr interessiertes Lesen.

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