Kompass zur Orientierung im Nebel der Corona-Informationen und -Strategien

von

Teil II
Kompass für Erwachsene, mit aktuellem Omikron-Info vom 15.2.2022

Plädoyer zur raschen Wiedervereinigung von Geimpften und Nichtgeimpften aus der gesellschaftlichen Spaltung

Willkommen zu meinem Kompass Teil II für eine Orientierung in dieser unsicheren und unklaren Zeit der Corona-Pandemie, in der viel Angst herrscht und eine Gefahreneinschätzung im Nebel vieler sich widersprechender Meinungen schwierig ist.

Heute ist der 15. Februar 2022.

Mein Name ist Manfred Nelting, ich bin Allgemeinarzt und Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Meine Frau und ich haben die Gezeiten Haus Kliniken für Psychosomatik und Traditionelle Chinesische Medizin mit Akademie begründet. Wir haben neben der akuten Allgemeinpsychosomatik u.a. eine große traumatherapeutische Klinik, eine Kinder- und Jugend-Psychiatrie und -Psychosomatik, eine geriatrische Abteilung und behandeln als einen weiteren Schwerpunkt auch Folgen der Corona-Pandemie wie psychosomatische Lockdown-Folgen und Long Covid-Symptomatik.

Unsere drei erwachsenen Kinder sind mit ins Unternehmen eingestiegen und wir haben 4 Enkelinnen im Schul- und Kindergartenalter. Nun haben Sie einen ersten Eindruck, wer wir sind.

 

Ein Kompass ist hilfreich in unwegsamem und unbekanntem Terrain sowie auf hoher See. Er zeigt den Norden an, dies kann man zur klaren Orientierung auf dem weiteren Weg nutzen.

Gibt es in der Pandemie ähnlich hilfreiche Anhaltspunkte zur Orientierung wie die Nordposition beim Kompass? Ich meine ja und dies soll Gegenstand auch von Teil II vom Kompass sein.

 

Die Themen um die Kinder- und Jugendlichen habe ich in Teil I (18.12.2021) mit Update v. 8.2.2022 beschrieben, hier möchte ich auf die älteren Menschen ab 60 Jahre schauen und auf die große Mehrheit der Erwachsenen von 18 bis 59 Jahren. Ich spreche natürlich auch kurz die Datenlage, Schutzmöglichkeiten, Impfungen, die gesellschaftliche Spaltung, das Demokratieverständnis, die Bedeutung von Politik und Wirtschaft in der Pandemie und die vor der Pandemie bestehende gesellschaftliche Verfassung an, auf die die Pandemie aufgesetzt hat.

Wichtig ist, dass sogenannte Fakten und Informationen, in unterschiedliche Blickwinkel, Kontexte und Rahmen gesetzt, sich dann in unterschiedlicher Bedeutung zeigen und wir dabei schauen müssen, was für die Orientierung gute Stabilität und Klarheit hat. Und wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich ständig weiter, d.h. auch, dass wir zum heutigen Zeitpunkt auch einiges nicht wissen können. Dann müssen wir auch sagen, dass wir das noch nicht wissen.

 

Inhalt:

Zur Datenlage und Daten-Interpretation

Ältere Menschen ab 60 Jahre

Vorerkrankungen/Risikofaktoren

Die vierte Welle

Die Gruppe der 18-59-Jährigen

Geimpfte und Nichtgeimpfte

Long-Covid

Aktuelle Omikron-Informationen

Zusammenfassende und kritische Gedanken

 

Zur Datenlage und Daten-Interpretation

Es ist ja mittlerweile allgemein bekannt, dass die Datenlage zur Corona-Pandemie in Deutschland insuffizient ist. Die Daten-Erhebung ist vielfach unterblieben bzw. lückenhaft, unzuverlässig, lokal unterschiedlich und in den Institutionen nicht einheitlich in den Kriterien.

Insofern sind auch offiziell herausgegebene Daten und Zahlen vom RKI, von den Landesregierungen, der Bundesregierung und den Intensivstationen, ja allgemein auch von Krankenhäusern immer noch keine gute Grundlage für verlässliche Interpretationen der Daten.

Wir wissen in Deutschland nach wie vor nicht verlässlich, wieviele Menschen sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, wieviele symptomatisch erkrankt sind, wieviele tatsächlich aufgrund schwerer Verläufe ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten, wieviele intensivmedizinisch behandelt wurden bzw. wirklich dort behandelt werden mussten und wieviele aufgrund von Covid-19 auf der Intensivstation, auf Allgemeinstationen bzw. Zuhause verstorben sind und ob hier Vorkrankheiten eine Rolle gespielt haben.

Wir kennen nicht die tatsächliche Impfquote, die tatsächliche Impflücke, die tatsächliche Impf-Nebenwirkungsrate, die Zahl der sogenannten Non-Respondern bei der Impfung, also Menschen, die keine bzw. nur eine sehr schwache Immunantwort entwickelt haben.

Es wurde lange nicht und noch immer nicht aktuell verlässlich erhoben, wieviele Menschen wegen einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus aufgenommen wurden oder wegen anderer Erkrankung, aber doch mit positivem PCR-Test ohne weitere Symptomatik, dasselbe von den Gründen der Aufnahmen der Intensivstationen. Der jeweilige Impfstatus der Patienten in den Krankenhäusern und Intensivstationen ist nach wie vor nicht klar verlässlich bekannt usw.

Trotzdem beruft sich die Regierung bei ihren strategischen Entscheidungen auf die nicht belastbar vorliegenden Daten und Zahlen. Das ist ungünstig und trägt zur Unsicherheit in der Bevölkerung bei.

Und es ist unverständlich, warum in den 2 Jahren der Pandemie die Datenerfassung nicht verbessert wurde hin zu einem verlässlichen Niveau.

Die Medien veröffentlichen aber alle Daten und Zahlen, die sie bekommen können, auch Forschungs-Studien werden sofort, also mittlerweile generell schon als Preprint und mit Deutungstexten von Fachleuten versehen veröffentlicht, bevor die Wissenschaftler sich hierzu untereinander besprochen haben. Forschungsergebnisse werden meist gemittelt berichtet, oft ohne Unterscheidung der Altersgruppen oder wie lange Impfungen her sind für die Wirksamkeit. Ein Medium dabei sind mittlerweile Talk-Formate, in denen alles Mögliche behauptet werden kann. Die Talk-Community scheint dabei nicht sehr lernfähig zu sein, da die Positionen über Monate trotz Weiterentwicklung der Forschung in immer gleicher Weise vorgetragen werden, vermutlich interessegeleitet.

Forschung lebt aber vom kontroversen wissenschaftlichen Diskurs, mit dem sich Wissenschaftler, aus dem Noch-Nicht-Wissen bei einem Thema heraus, zunehmend zu möglichst konsistenten Erklärungen der verschiedenen Beobachtungen und Forschungsergebnissen bewegen. Dieser Diskurs wird medial nicht abgebildet, da er seine Zeit braucht und nicht als sensationell oder emotional aufrüttelnd zu präsentieren ist. Das geht nur mit isolierten, konkret fokussierten Studienergebnissen, die vielfach obwohl meist einseitig, doch als Wahrheit präsentiert werden, ohne das zu sein. Das Internet und die social media-Kanäle beschleunigen diesen Prozess, oft auch, ohne dass die Quellen transparent sind.

Die Mehrzahl der im Internet zu findenden Daten-Informationen und -Interpretationen sind interessengeleitet. Da gibt es im Extrembereich Interessen von Impf-Fanatikern einerseits und radikalen Verschwörungserzählern andererseits, aber natürlich auch Interessen der Regierung, der Parteien, der Wirtschaft, insbesondere der Pharmaindustrie, aber auch der privaten Krankenhauskonzerne und vieler anderer gesellschaftlicher Player. Dabei blieb die Lobby für die Kinder und z.B. auch der Pflegekräfte allerdings im wesentlichen schwach, wie sie es vor der Pandemie schon war.

Dazu kommt in der Omikron-Phase noch die allgemeine Überforderung der Labore und der Institutionen mit ihren noch nicht digital etablierten Erhebungsmöglichkeiten sowie der Mangel an qualifiziertem Personal.

In diesem Nebel gilt es also für Kompasszwecke möglichst deutlich Markierungen zur Orientierung zu finden bzw. herauszuarbeiten. Dies geht bei dieser insuffizienten Datenlage zwar nur näherungsweise, kann aber gelingen, wenn man die Beobachtungen, Daten und Studienergebnisse im inneren Zusammenhang sieht und sich unter Klärung logischer Brüche in den Argumentationen um Konsistenz bemüht.

Dafür steht auch die Zusammenfassung am Schluss des Kompass.

 

Daten-Interpretation

Die Interpretation von Daten ist ebenfalls abhängig von der Erzählung, die dabei entsteht, sich durchsetzen kann und dann vorherrschend ist. Schauen wir uns den Beginn der Erzählung an:

Im Falle der Corona-Pandemie ist es die Hypothese, dass es sich bei SARS-CoV-2 um ein Killervirus handelt. Wie ist diese Hypothese entstanden?

Die norditalienische Variante war die erste Mutante, die ‚pandemiefähig‘ war. Sie breitete sich in Norditalien rasch aus, es gab in kurzer Zeit extrem viele Todesfälle in kurzer Zeit, jeder erinnert sich vermutlich noch an die Bilder aus Bergamo, wo das Militär reihenweise Leichen abtransportieren musste. Diese sehr erschütternden und Angst erzeugenden Bilder gingen bereits vor dem Virus um die Welt. Es ist verständlich, dass die politisch Verantwortlichen in ihrer Angst und Hilflosigkeit initial rasch einen Lockdown verhängten gegen ein offensichtliches Killervirus.

Sie verstanden allerdings damals nicht, dass die besonderen norditalienischen Milieu-Verhältnisse auch eine wichtige Rolle in dem Geschehen gespielt hatten, wie die engen Wohnverhältnisse, die vielen Mehrgenerationenhaushalte, die dort lungenmäßig vorbelasteten Menschen in einem der höchsten Hotspots für Feinstaub in Europa. Insofern war die Übertragbarkeit der Situation auf Deutschland nicht wirklich gegeben, aber die Killervirus-Hypothese für die ganze Gesellschaft war entstanden und etablierte sich, obwohl die Gefahr hauptsächlich für ältere Menschen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen gegeben war.

Die Bundesregierung hatte im März 2020 in ihrem Expertenkreis Fachleute, die modellierten, wie sich das Virus verbreiten konnte in Abhängigkeit von der Nähe und Kontaktzahl der Menschen untereinander, und kamen in worst case-Szenarien auf möglicherweise extreme und beängstigende Anzahlen von Todesfällen (im schlimmsten Fall über 1 Million Tote in Deutschland). In einem vertraulichen Papier vom Innenministerium, das versehentlich im Internet öffentlich zugänglich war, wurde dementsprechend als Hauptstrategie für die Kommunikation mit den Bürgern festgelegt, dass den Menschen Angst gemacht werden müsste, damit sie die Anordnungen der Regierung befolgen. U.a. müssten die Kinder Angst bekommen, dass ihre Eltern und Großeltern sterben könnten, wenn sie sich beispielsweise nicht richtig die Hände waschen würden und sich nicht an die Anweisungen hielten. Denn dieses Virus würde ganz viele Menschen sterben lassen, eben ein Killervirus.

So verständlich die Angst und Hilflosigkeit der Politiker und der Fachleute im Beginn der Pandemie war, so unglaublich ist doch dieses Strategiepapier in einer Demokratie und die Strategie inakzeptabel bezüglich der Bedrohung der Kinderseelen durch Angst und Schuldzuweisung für familiäre Todesfälle. Und dramatisch und folgenschwer ist die ausgebliebene Korrektur der Strategiewege bei zunehmendem Wissensstand der Forschung.

Da es keine Medikamente und keine Impfstoffe gab, wurden alle Akteure, u.a. Medien, Wissenschaftler, Ärzte, Politiker emotional und angstgetrieben rasch unter dieser Hypothese versammelt, dies wurde zum Mainstream und blieb es auch bei zunehmendem sich ändernden Wissensstand über das Virus. Diese Killervirus-Hypothese und die daraus notwendigerweise folgende Strategie der Angst-Kommunikation mit den Bürgern, die aus Unkenntnis, Hilflosigkeit und eigenen Ängsten der politisch Verantwortlichen geboren wurde, ist seitdem bis heute nicht mehr aufgegeben worden, gilt in gewisser Weise sozusagen als ‚Staats-Doktrin‘.

Diese Verengung in der Wahrnehmung der realen Gefahr durch das Corona-Virus wurde dann auf die Impfkampagne übertragen. Es wurde permanent offiziell mitgeteilt, dass nur das Impfen schützen könne, man ohne Impfung sozusagen hohe Gefahr für schwere Verläufe und des Versterbens laufe. Auf diesem Boden entwickelte sich abweichenden Meinungen gegenüber in der Gesellschaft zunehmend Skepsis, Ignoranz, Intoleranz und Schuldzuweisungen für Todesfälle und Pandemieverlauf. Als Schuldige wurden dann Nichtgeimpfte identifiziert (siehe ‚Gründe für die 4.Welle‘)

Völlig ausgeblendet von den Verantwortlichen, aber auch medial, wurde dabei die reale Bedeutung des normalen Immunsystems, mit dessen brillanten Fähigkeiten 99% aller Menschen mit Corona-Infektionen schon vor dem Beginn des Impfens die SARS-CoV-2-Viren erfolgreich bekämpft haben, symptomlos, mit milden Symptomen und bei schweren Verläufen, die insbesondere bei Schwächung des Immunsystems durch Erschöpfung, Angst Dauerstress, Depressionen, hohem Alter und Vorerkrankungen auftraten, mit Unterstützung von ÄrztInnen und PflegerInnen.

Eine vor Ansteckung schützende Rolle spielten dabei ja auch die Abstandsregeln und das Tragen der Masken bei Versammlungen, insbesondere in Innenräumen. Lockdowns und Schulschließungen hatten aber, wie mittlerweile aus internationalen Metastudien bestätigt wird, kaum einen verringernden Effekt auf die Sterbezahlen gehabt.

Zugestehen muss man den politisch Verantwortlichen, dass die Impfstoffe in ihrer Erwartung und der Erwartung der meisten Menschen als hochwirksam galten und man also glaubte, sie schützen dauerhaft vor Infektion und schweren Verläufen. Diese Erwartung gegenüber der Alpha-Variante konnten sie kurzfristig ja auch einigermaßen erfüllen, insbesondere der sich dabei epidemiologisch auswirkende Effekt der Verringerung der Virus-Weitergabe aufgrund ausreichend wirksamer neutralisierender Antikörper nach der 2. Impfung war deutlich. Diese Erwartung langandauernder Wirksamkeit wurde seit dem Auftreten der Delta-Variante dann zunehmend enttäuscht, dies aber lange verdrängt.

Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn aus 2 Jahren Pandemie konnte insofern gesellschaftlich bisher nicht fruchtbar umgesetzt werden zum Schutz und Wohl der Menschen, insbesondere der Alten und Kinder.

 

Ich möchte jetzt Themen der alten und hochbetagten Menschen ansprechen, von denen ein großer Teil in Deutschland ja schon längere Zeit Vorerkrankungen hat.

 

 

Alte Menschen

Im Durchschnitt der Monate sterben jeden Monat in Deutschland knapp 80.000 Menschen an Krankheiten oder einem natürlichen Tod. Etwa die Hälfte der Todesursachen entfallen auf Lungenentzündungen, Krankheiten des Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-System wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mit geschädigter Gefäßlage und Immunstörungen. Eine der häufigsten Krankheiten sind dabei Lungenentzündungen, wenn das Immunsystem zum Ende des Lebens den Viren und Bakterien oft nichts mehr entgegenzusetzen hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland liegt bei etwas über 80 Jahren. Das Sterben mit und an chronischen Krankheiten ist häufig geworden, das einfache Einschlafen am Ende des Lebens bei guter Gesundheit seltener.

Die sogenannte gesunde Lebenserwartung, also das Alter, in dem statistisch gemittelt oft ein Leben in Gesundheit endet und ein Leben mit Krankheiten beginnt, liegt in Deutschland im Durchschnitt bei knapp 70 Jahren. Dieses Alter ergibt sich daraus, dass ein Teil der Bevölkerung schon ab 50 oder 60 Jahren chronisch erkrankt ist, ein Teil der Hochbetagten dagegen noch sehr rüstig.

 

Vorerkrankungen/Risikofaktoren

Individuelle Vorerkrankungen und Risikofaktoren sind in erster Linie mit den behandelnden Ärzten abzuklären und zu besprechen. Ich zeige hier exemplarisch einige häufige Beispiele, also keine vollständige Liste:

Hier sind für die Corona-Thematik in erster Linie zu nennen Bluthochdruck, Diabetes mit geschädigter Gefäßlage, Übergewicht und Immunstörungen. Diese vier Krankheitsbereiche treten vielfach gemeinsam auf und bedingen sich oft. Grundlage hierfür ist vielfach chronisch andauernder Stress mit dauerhaft erhöhten Cortisol-Spiegeln und erhöhter vegetativer Sympathikus-Aktivierung. Chronischer Stress hemmt dabei auch die Immunabwehr. Dies gilt ebenfalls für Depressionen, anhaltende Trauer und Angst, Burn-out, alle übermäßigen Erschöpfungszustände, die als Risikofaktoren gelten.

Ebenfalls im Zentrum stehen Lungen- und Bronchialleiden, da hier die Sauerstoffversorgung bereits verschlechtert sein kann.

Es ist bekannt, dass übergewichtige Menschen oft Immunstörungen haben, z.B. findet sich in der zellulären Immunabwehr bei übergewichtigen Menschen häufig eine deutliche Verringerung von speziellen Killer-T-Zellen (CD8), wodurch sie ein hohes Risiko haben Lungenentzündungen, aber auch Gerinnungsstörungen zu entwickeln. Bei schweren Covid-19-Verläufen auf Intensivstationen handelt es sich oft mehrheitlich um übergewichtige Männer (u.a. Uniklinik Essen).

Auch bei Untersuchungen von Sterbefällen wurde oft eine auffällige CD8-Zellreduktion gesehen. Dies ist u.a. auch der Tatsache geschuldet, dass diese T-Zellen altersbedingt abnehmen.

Auch der Lebensstil ist häufiger als gedacht an der Entstehung von Risiken beteiligt. Der DKV-Report vom Oktober 2021 zu gesunden Lebensstilen kommt zu dem Ergebnis, dass nur 11% der befragten Deutschen den Benchmark für ein gesundes Leben erreichen. Dafür wurden 5 Lebensbereiche abgefragt: körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden. Die Deutschen sitzen zu viel, bewegen sich viel zu wenig und kommen mit Stress zunehmend schlechter zurecht.

Hier ist die Information wichtig, dass Studien gezeigt haben, dass QiGong- allgemein und spezielle sogenannte Guolin Qigong-Übungen die Anzahl von verringerten T4 und T8-Immunzellen wieder erhöhen und normalisieren können. Damit sinkt auch das Todesfall-Risiko und das Risiko schwerer Verläufe bei Corona-Infektionen. Dies wurde insbesondere im Rahmen von T-Zell-Abnahmen nach der Gabe von immunsupprimierenden Medikamenten im Rahmen von Chemotherapien bzw. wegen Transplantationen erforscht. Diese nachgewiesene Wirkung ist eine Möglichkeit selbst dazu beizutragen die Immunabwehr kraftvoll auch für den Fall einer Corona-Infektion vorzubereiten.

Wir als Familie und unsere Mitarbeiter in unseren Kliniken üben seit vielen Jahren täglich bzw. mehrmals in der Woche QiGong, QiGong ist ebenfalls täglich fundamentaler Bestandteil des therapeutischen Settings für unsere Patienten. Weitere Informationen hierzu finden Sie in meinem neuen Buch „Einsicht in UNerhörtes“.

Zur Frage, inwieweit Schwangerschaft als Risiko bei einer Corona-Infektion zu bewerten ist, dazu gibt es Empfehlungen der STIKO und der Fachgesellschaften der Gynäkologie und Geburtshilfe. Dort wird die Impfung eindringlich empfohlen nach dem ersten Trimenon. Alle Aussagen über Risiken des Nichtgeimpftseins bzw. der Impfung betreffen die Mutter und ggf. den Schwangerschaftsverlauf.

Studien, die mögliche Risiken nach Impfung der Mutter für das Kind nach der Geburt, also Entwicklung und Gesundheitsstatus im weiteren Leben betreffen, gibt es meines Wissens von Geburten aus der Zeit der Anfänge der Impfung vor einem Jahr noch nicht, z.B. als Beobachtung für das erste Lebensjahr.

Insofern wäre ggf. eine Impfung vor der Schwangerschaft bei Kinderwunsch ein Thema mit vielleicht bald angepassten Impfstoffen. Und eine Hoffnung wäre, dass eine Omikron-Infektion in der Schwangerschaft auch milder verläuft. Mögliche Entscheidungen hierzu müssen Schwangere bzw. Frauen mit Kinderwunsch mit der Gynäkologin ihres Vertrauens besprechen.

Zu erwähnen ist auch, dass Armut und enge Wohnverhältnisse bekannterweise am gesundheitlichen Risikoprofil beteiligt sind. Die Lebenserwartung von Menschen in sogenannten armen oder Problem-Stadtvierteln können um 10 Jahre und mehr verringert sein gegenüber den als reich bezeichneten Stadtvierteln vieler Städte.

 

Corona bei alten Menschen

85% aller Menschen, die an Corona oder mit Corona-Nachweis gestorben waren, waren über 70 Jahre alt. Von den 14 Mill. über 70-jährigen Menschen in Deutschland waren in der Pandemie gut 1 Million nachgewiesenermaßen infiziert (mit Dunkelziffer eher 2-3 Millionen) und etwa 100.000 gestorben, wobei unklar bleibt, wer an seiner Grundkrankheit, aber mit positivem PCR-Test gestorben ist oder aber an der Corona-Infektion auf dem Boden der Vorerkrankungen. D.h. auch, dass 9 von 10 Infizierten Senioren die Infektion überlebt hatten, die Sterberate unter den über 70-Jährigen an Corona auf die Anzahl der Menschen dieses Alters gerechnet bei 0,7% liegt. Diese Zahlen sind gültig für die Phase der Delta-Variante bis etwa Mitte Januar 2022. Das spricht auch für die Vorsicht und Umsicht der älteren Bevölkerung in der Pandemie, egal, ob geimpft oder ungeimpft, die Menschen sind bereit sich zu schützen.

Das Durchschnittsalter aller Corona-Sterbefälle lag bei etwa 80 Jahren durch die ganzen Monate der Pandemie hindurch, unabhängig von der Impfquote und den Virus-Varianten, in der vierten Welle, also in der Delta-Phase, etwas darunter. Das gibt die Statistik des statistischen Bundesamtes her, die zeigt, dass die Altersverteilung der Sterbefälle über die Monate der Pandemie praktisch gleichgeblieben ist. Wie ist das möglich und wie erklärt sich das?

  1. Das Virus ist hauptsächlich für einen Teil der älteren Menschen, vorwiegend mit Vorerkrankungen gefährlich. Die Sterbequote steigt deutlich, aber langsam ab 60 Jahre und dann mit zunehmendem Alter sehr auffällig. Erwähnt werden muss aber, dass etwa 95% aller Sterbefälle in Deutschland andere Ursachen haben als eine Infektion oder Infektionsbeteiligung mit SARS-CoV-2.

  2. Aber es war und bleibt wichtig, die alten Menschen vor dieser Infektion zu schützen. Hierfür waren die priorisierten Impfungen der Senioren, insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen, sinnvoll und initial in der Regel wirksam. Man hat nun gehofft, dass alle damit lange geschützt sind. Aber zum einen hat man nicht kontrolliert, ob die Impfung wirklich angeschlagen hat, also ob die alten Menschen tatsächlich Antikörper und spezifizierte T-Zellen gegen das Spike-Protein des Virus gebildet hatten. Insofern weiß man nicht wieviel Menschen trotz Impfung ungeschützt geblieben sind (die Wissenschaft rechnet hier mit etwa 10-20% Non-Respondern, das sind um 2 Millionen der Menschen über 70 Jahre). Denn es ist bekannt, dass im Alter die Immunantworten auf Impfungen vielfach reduziert oder gar nicht vorhanden sind. Solche Non-Responder gibt es auch bei anderen Impfungen, gehäuft eben im hohen Lebensalter.

  3. Zum anderen hat man festgestellt, dass die Impfung, die ja spezifisch auf das Wildvirus ausgerichtet und entwickelt worden war, besonders bei alten Menschen für die Alpha-Variante nicht so vollständig und nicht so lange wie erhofft Schutz vor Infektion bot, etwa 5 Monate. Und bei der Delta-Variante, die sich seit Mai 2021 durchgesetzt hat, ist der Schutz dieser Impfstoffe vor Infektion nochmal geringer, etwa 3 Monate bei alten Leuten und die Dauer der Schutzwirkung vor schwerem Verlauf, die insbesondere von einer kräftigen und passenden zellulären Impfantwort abhängt, wurde weder individuell noch in allgemeinen Studien belastbar und aussagekräftig untersucht.

Das bedeutet, dass praktisch alle Menschen ab 60, von denen über 90% ja in den ersten 5 Monaten des letzten Jahres mit Impfstoffen gegen das Wildvirus geimpft wurden, bis zu diesem Herbst 2021 schon eine Weile ohne oder mit vermindertem Impf-Schutz gegenüber einer Infektion mit der Delta-Variante dastanden, das sind etwa 25% der Bevölkerung in Deutschland, etwa 20 Millionen Menschen (Bei Jüngeren war die Gefahr schwerer Verläufe aufgrund ihrer Immunkräfte auch bei der Delta-Variante gering bzw. kaum vorhanden).

Denn die Antikörperwirksamkeit nach Impfung mit den Impfstoffen gegen das Wildvirus im Sinne der Virusneutralisierung bei Exposition mit den Viren war ja gegenüber der Delta-Variante deutlich herabgesetzt. Zudem waren die auf die Impfung entstandenen teilneutralisierenden Antikörper zum Herbst hin entgegen der Erwartung von Virologen und Politikern kaum noch vorhanden, was bedeutet, dass diese Menschen gegenüber der Ansteckung und Weitergabe des Virus keinen Schutz mehr hatten. Dies war allerdings seit dem Juli 2021 bereits bekannt, ohne dass hier reagiert wurde. Im Vordergrund stand in diesem Sommer eben der Bundestagswahlkampf.

Zudem waren die durch die Impfstoffe gegen das Wildvirus entstandenen spezifischen T-Zellen gegen das Spike-Protein des Wildvirus nun aber gegen das Spikeprotein des Delta-Virus nicht mehr ganz präzise gerichtet, was den Schutz vor schwerem Verlauf zwar nicht bei allen aufhob, aber bei vielen schwächte.

Und dazu kamen im Herbst die sogenannten Durchbruchsinfektionen der Jüngeren (um 10%, in verschiedenen Studien unterschiedliche Quoten), deren Häufigkeit dann doch überrascht hat, das sind weitere ca. 4 Millionen der Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren.

 

Gründe für die 4. Welle

Bei der Impfquote von gut 70%, also etwa 59 Millionen Menschen mit vollständiger Impfung, hatten also 24 Millionen Geimpfte, darunter viele ältere Menschen, zum Herbst 2021 keinen ausreichend wirksamen Impfschutz bzw. keinen Impfschutz mehr oder hatten diesen als Non-Responder nie gehabt.  Die vierte Welle wurde also von mehreren Quellen gespeist, von Geimpften und Nichtgeimpften, die Zuschreibung der Welle als „Welle der Ungeimpften“ erwies sich als unrichtig und beförderte die Intoleranz in der gesamten politischen Auseinandersetzung.

Die Zahl der Nichtgeimpften errechnet sich für die Zeit vor der vierten Welle folgendermaßen:

Von 83 Millionen Menschen waren im Herbst 2021 etwa 59 Mill. Geimpfte und damals knapp 6 Millionen Genesene, zusammen also 65 Millionen. Dazu muss man die Dunkelziffer der Genesenen hinzurechnen: Das RKI nennt den Faktor 2-3, die Faktoren für die Dunkelziffern variieren international stark, insbesondere für die Delta- Variante.

Wenn wir mit dem Faktor 3 über die ganze Pandemie rechnen, dann sind das etwa 18 Millionen Infektionen bzw. Genesene in den 22 Monaten der Pandemie bis Ende 2021. Da vor den Impfungen kein Test auf vorangegangene Infektion gemacht wurde und wird, dürften etwa von den 12 Millionen unbemerkten bzw. unbekannten Infektionen eben 70% auf die Gruppe der Geimpften entfallen, das sind 8,5 Millionen, die zahlenmäßig darin schon erfasst sind. Die übrigen 3,5 Millionen von den 12 Millionen unerkannt Genesenen müssen wir zu den 65 Millionen mit Impfung bzw. nach Infektion zu rechnen, also 68,5 Millionen Menschen mit vermutetem Schutz vor Corona-Infektion.

Dann bleiben also bei einer Bevölkerung von 83 Millionen Menschen 14,5 Millionen Nichtgeimpfte übrig, bei denen wir noch die Kinder herausrechnen müssen, da sie als Pandemietreiber nicht in Frage kommen, wie die internationale Lage gezeigt hat.

Es waren im Herbst aktuell etwa 11,5 Millionen nichtgeimpfte Kinder, von denen bis zur regelmäßigen Testung in Schulen und Kitas etwa 1,5 Millionen Kinder die Infektion unerkannt durchgemacht haben müssten.

Wenn wir diese übrigen 10 Millionen Kinder aus den 14,5 Millionen Nichtgeimpften herausrechnen, dann bleiben 4,5 Millionen Nichtgeimpfte, darin enthalten bekanntermaßen die Impflücke von bis zu 3 Millionen bei älteren Menschen, sofern diese Zahl stimmt. Sie kann genauso niedriger sein, weil möglicherweise doch mehr Senioren geimpft waren als der Datenlage entsprach und ggf. auch noch Genesene darunter waren.

Zu diesen 4,5 Millionen Nichtgeimpften kamen also zum Herbst 2021 die 24 Millionen Menschen hinzu, die einen verringerten bzw. Rest-Impfschutz oder gar keinen mehr hatten. Bei positiver PCR-Testung im Krankheitsfall mit Krankenhaus-Aufnahme bzw. bei Aufnahme auf die Intensivstationen wurde der Impfstatus allerdings auch im Herbst immer noch nur sehr unregelmäßig miterhoben.

Dies zeigt, dass die Aussage, dass die vierte Welle eine primäre Pandemie der Nichtgeimpften ist, sich nicht auf verlässliche Daten stützen kann, sehr wahrscheinlich ist ein genauso wichtiger Grund in dem starken Nachlassen des Impfschutzes bei den älteren Menschen zu sehen. Von denen waren und sind somit auch viele der Delta-Variante des Virus ungeschützt ausgeliefert gewesen, insofern erklärt sich auch das weiter bestehende Sterbealter um 80 Jahre trotz der offiziellen Impfquote. Die Impfquote als Schutzwall erweist sich also bei genauem Hinsehen als trügerisch, beim Versprechen eines sicheren Impfschutzes hatte man das so nicht erwartet.

Zusätzlich war seit einigen Monaten durch internationale Studien bekannt, dass Geimpfte und Nichtgeimpfte bei Infektion mit der Delta-Variante mindestens in den ersten 24 Stunden eine annähernd gleich hohe Viruslast tragen, in dieser Zeit also andere anstecken können. Die vorangegangene Impfung führt nach dieser Plateau-Phase dann aber schneller zur Verringerung der Viruslast als bei Nichtgeimpften. Trotzdem ist bei Nichtgeimpften die Infektiosität hauptsächlich in der Plateau-Phase gegeben, in der bei Nichtgeimpften tatsächlich verlängerten Eleminations-Phase ist die Ansteckungsfähigkeit zwar noch gegeben, aber verringert sich meist doch sehr rasch. Beim Vergleich mit geboosterten Menschen ergab sich in den ersten Wochen nach Boosterung eine geringere Viruslast in den ersten 24 Stunden als bei Nichtgeimpften bzw. Nichtgeboosterten. Dieser Unterschied ließ aber mit zeitlichem Abstand von der Boosterung wieder deutlich nach.

Die ebenfalls hohe Viruslast der ersten 24 Stunden ist wichtig für die Weitergabe des Virus sowie Zahl der Durchbruchsinfektionen bei Geimpften bei der 2G-Regelung, weiterhin zeigt sie die Notwendigkeit täglicher Testungen auch bei Geimpften in der Betreuung alter Menschen, sowohl in Altersheimen als auch bei Senioren, die in der eigenen Wohnung von Pflegediensten betreut werden.

Dieses Wissen um den nachlassenden Impfschutz bei älteren Menschen, insbesondere gegenüber der Delta-Variante, war schon seit langem bekannt, spätestens im Juli 2021 hätte es eine Reaktion der politisch Verantwortlichen geben müssen im Sinne der Booster-Impfung der älteren Menschen, wie es z.B. in Israel geschehen ist. Dies ist vermutlich unter dem Druck der Sehnsucht und Berechtigung nach Freisein von Auflagen bei den Geimpften von allen Parteien nicht wirklich kommuniziert worden, sicherlich auch um bei der Bundestagswahl keine Wähler zu verlieren. Es war im Wahlkampf kein Thema.

Allerdings ist auch den Pharma-Verantwortlichen vorzuhalten, dass sie die Ausrichtung der Impfung auf die Delta-Variante noch nicht für den Herbst vorbereitet haben, sondern mit den mittlerweile suboptimalen Impfstoffen erst einmal weiter Gewinne eingestrichen haben. Insofern wird das Boostern bei der Mehrzahl der Menschen den Impfschutz eine Weile erhöhen, die Studien ergeben ebenfalls etwa 3 Monate, aber wieder nicht so stark und so lange wie möglich im Falle angepasster Impfstoffe.

Die permanente Propagierung einer immer noch hervorragenden Wirksamkeit der Boosterung vor Ansteckung und schwerem Verlauf einer Infektion bei der Delta- und auch Omikron-Variante durch die Impfstoffhersteller benennt nicht die Kurzfristigkeit der Erhöhung von neutralisierenden Antikörpern und nicht die verringerte Spezifität der T-Zell-Immunität. Die gleichlautende Argumentation bezüglich der Wirksamkeit durch die Regierung und die Impfstoffhersteller und das Festhalten an der Impfstrategie mit schon lange nicht mehr angepassten Impfstoffen lässt an den bekannt starken und in der Vergangenheit sehr erfolgreichen Pharmalobbyismus denken. Im Hintergrund schwingt immer noch die mittlerweile sich wissenschaftlich als ungültig herausgestellte Killervirus-Hypothese mit, die weiterhin angstauslösende Katastrophenszenarien berechtigt erscheinen lässt. Für Zwecke an der Pandemie profitierender Wirtschaftszweige wie der Pharmaindustrie, den großen IT-Konzernen oder dem Online-Handel ist das vermutlich nicht unwillkommen.

Nach dem Boostern muss nun aber unbedingt die Impfreaktion geprüft werden, also ob überhaupt Antikörper gebildet wurden und wenn nicht muss eine T-Zell-Untersuchung erfolgen. Das wurde bisher aus Kostengründen vernachlässigt. So wüsste man zukünftig, welche Menschen Non-Responder sind oder bleiben und besonders geschützt werden müssen, z.B. mit Medikamenten bei Infektionsfällen in ihrer Nähe.

Bevor ich auf die Gruppe der 18-59-Jährigen zu sprechen komme, möchte ich noch die Immunsituation bei Genesenen ansprechen und das Thema der Kreuzimmunität.

 

Genesenen-Immunität

Über Genesene wird kaum geredet. Dabei ist der Immunschutz vor weiteren schweren Corona-Infektionen sehr gut und vermutlich lange anhaltend. Denn die spezifische T-Zell-Immunität ist viel breiter als die nach den Impfungen mit mRNA-Impfstoffen und wirkt auf viele verschiedene Antigen-Strukturen des Virus, z.B. das sogenannte Nucleokapsid , nicht nur auf das Spike-Protein. Anlass zur Vermutung, dass die zellvermittelte Immunität jahrelang besteht, ist Folgendes: Im Jahre 2020 wurden ehemalige Patienten, die sich 2002/3 mit SARS-CoV-1 infiziert hatten, nachuntersucht. Man fand bei Ihnen 17 Jahre später noch verlässlich spezifische T-Zellen gegen das SARS-1-Virus.

Bei anderen Untersuchungen fand man bei Personen, die nachweislich keine Infektion mit SARS-CoV-2-Viren hatten, in bis zu 50% der Personen T-Zellen, die spezifisch gegen SARS-CoV-2 wirkten.

Der Grund ist die sogenannte Kreuz-Immunität. Dabei entstehen durch andere Corona-Erkältungsviren Antikörper und Gedächtniszellen, die nicht nur gegen die Spike-Proteine gebildet wurden, sondern auch auf Bestandteile des Virus, die sich bei allen Corona-Viren finden, wenig unterschiedlich und sehr stabil sind, also praktisch nicht oder nur gering mutieren, z.B. spezifische Nucleokapsid-Proteine und insbesondere Antikörper gegen die sogenannte RNA-Polymerase, die das Virus zur Vermehrung braucht. Die RNA-Polymerase ist bei allen Corona-Viren vorhanden, darum wirkt das dann auch auf SARS-CoV-2-Viren.

Der Chefarzt der Pneumologie im Bethanien-Krankenhaus Moers, Dr. Thomas Voshaar, hat für seine Intensivstation festgestellt, dass er dort keine Genesenen behandeln musste. Auf Nachfrage bei 13 Chefarzt-Kollegen, ob auf ihren Intensivstationen Genesene liegen, wurde ihm bestätigt, dass es auch dort keine Genesenen gab. Über den Genesenen-Status gab es weiter keine Informationen von Intensivstationen, daher der Weg über die Nachfrage.

Dr. Voshaar ist hier auf eine besondere Art und Weise glaubwürdig, weil er herausgefunden und den Nachweis erbracht hatte, dass weniger Corona-Patienten auf der Intensivstation sterben, wenn man ihnen in guter Überwachung erst Sauerstoff gibt und nur dann in guter Abschätzung der Notwendigkeit und letztlich doch erst spät beatmet, wenn dies wirklich angezeigt ist. Das hat ihm viel Anerkennung unter Kollegen gebracht.

Dies ist ein weiterer Hinweis, dass Genesene offensichtlich keine schweren Verläufe bei möglichen Folgeinfektionen auch mit anderen Virus-Varianten haben, vermutlich, weil die spezifische T-Zell-Abwehrkraft breit genug ist gegen die stabilen Antigenbestandteile des SARS-CoV-2-Virus, somit gegen andere Virus-Varianten wie Omikron und wahrscheinlich auch für weitere zukünftige Virus-Mutanten. Dies gilt auch für Escape-Varianten wie Omikron, da auch sie Nucleocapsid-Proteine, RNA-Polymerase und andere antigen wirkende Bestandteile haben.

Insofern ist die Genesenen-Immunität weit stärker als der Impfschutz, der allein auf das Spike-Protein des Wildvirus gerichtet ist. Untersuchungen, die zeigen, dass die Zahl der neutralisierenden Antikörper bei Geboosterten kurzfristig viel höher ist als bei Genesenen, greift nur als epidemiologisches Argument in Bezug auf die Virusverbreitung, weil der Schutz vor schwerer Infektion eben in der langanhaltenden T-Zell-Immunität begründet ist. Die Argumentation auf Antikörper-Ebene ist in der Omikron-Welle auch epidemiologisch nicht mehr gültig, weil das Virus von Geimpften wie Genesenen genauso weitergegeben werden kann, mit Ausnahme der kurzfristigen Verringerung der Virus-Weitergabe (ca. 3 Monate) nach der Boosterung.

 

Rückstufung des Genesenen-Status auf drei Monate

Der Genesenen-Status ist nun während des Auflaufens der Omikron-Welle ohne Vorankündigung, Kommunikation und Transparenz auf 3 Monate gekürzt worden, nur in Deutschland, nicht in der EU. Bezogen auf das Vorhandenseins wirksam neutralisierender Antikörper in ausreichender Zahl, war das allerdings noch wenig untersucht, vor allen Dingen nicht in den verschiedenen Altersgruppen, insofern schwer nachvollziehbar und nicht transparent kommuniziert. Allerdings, wenn bei Genesenen noch genug Antikörper vorhanden sind, neutralisieren sie gut.

Bei doppelt Geimpften Menschen sind die Antikörper nur teilneutralisierend, weil sie sehr einseitig auf das Spike-Protein des Wildvirus ausgerichtet sind, bei älteren Menschen bekanntermaßen nach 3 Monaten stark verringert, also nicht mehr schutzgebend vor Ansteckung.

Hier hätte man also für epidemiologische Zwecke zuerst den Status der doppelt Geimpften, soweit bekannt nach Alter, reduzieren müssen, erst danach das Thema auf die Genesenen ausdehnen dürfen.

Es handelt sich beim Zeitpunkt der Entscheidung bei den Genesenen um Infektionen mit der Delta-Variante und obwohl Omikron ein Außenseiter in der Familie von SARS-CoV-2 ist, findet man bei Genesenen nach Delta-Infektion nicht nur Antikörper gegen das Spike-Protein, sondern auch gegen andere Bestandteile des Virus, die sich bei Delta wie bei Omikron finden. Insofern ist eine reine Suche nach Antikörpern gegen das Spike-Protein für die Epidemiologie nicht sinnvoll. Und in der Omikron-Phase spielt für die Verlangsamung der Ausbreitung das Testen und Maskentragen mittlerweile die viel größere Rolle, das wäre zentral wichtiger gewesen in der Kommunikation. Die Rückstufungs-Entscheidung nur für Genesene ist insofern schwer nachvollziehbar.

In Bezug auf die Epidemiologie wird auch das EU-Zertifikat zum Nachweis des Schutz-Status letztlich zunehmend belanglos und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ersatzlos gestrichen, wenn die meisten EU-Länder 1G oder 3G beschlossen haben werden.

 

Die Gruppe der 18-59-Jährigen

In dieser Gruppe ist das Risiko gesunder Personen schwer an der Corona-Infektion zu erkranken gering, allenfalls bei den über 50-Jährigen leicht erhöht, sowie bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen.

Trotzdem gibt es selten auch in dieser zahlenmäßig größten Bevölkerungs-gruppe immer wieder schwere Corona-Verläufe von als gesund angesehenen jungen Menschen. Dies sind aber zahlenmäßig die Ausnahmen dieser nicht stark gefährdeten Gruppe und es gab ca. 1200 Sterbefälle (Stand 8. Nov. 2021) bei etwa 4 Millionen nachgewiesenen Corona-Infektionen in der Gruppe aller unter 50-Jährigen. Diese Relation war der Bevölkerung nicht ersichtlich bei der medial im Vordergrund und intensiv bebildert berichteten tragischen Fällen von jungen Menschen, die um ihr Leben kämpften. Dies suggerierte eine von dem Virus ausgehende extreme Gefahr, die individuell tragisch war, für diese Altersgruppen aber so nicht bestand bzw. besteht.

 

Gründe und Begründungen für eine Corona-Impfung

Die meisten Menschen in dieser Gruppe haben sich unter der meist medial eindrücklich miterlebten Bedrohung impfen lassen. Die psychischen Gründe hierfür waren hauptsächlich Ängste vor der Infektion und ggf. Langzeitfolgen wie Long Covid, Folgsamkeit gegenüber Autoritäten, generell soziale Angepasstheit, persönliche Wünsche und Sehnsüchte nach Mobilitäts-Erlaubnis bei den Pandemie-Regeln und auch die Anerkenntnis, dass die Impfung nach offiziellen Informationen andere sicher vor Ansteckung schützt. Diese letztere Haltung wurde als Solidarität benannt und von Politik und Medien auf die gesamte Gruppe der Geimpften als zugrundeliegende Motivation zur Impfung ausgedehnt und als fraglos festgestellt, was sich mit fortschreitender wissenschaftlicher Erkenntnis nun als unrichtig erwiesen hat. Hier muss die offizielle Informationspolitik nachsteuern.

 

Sorgen und Skepsis von Nichtgeimpften

Argumente der Menschen, die sich nicht oder noch nicht haben impfen lassen, sind u.a. Sorgen vor Nebenwirkungen, Spätfolgen und Langzeitschäden bei den mRNA- Impfstoffen. Ich habe im Kompass Teil I ausführlich darüber geschrieben.

Für Menschen, die Sorgen vor solchen Spätfolgen haben, ist es nicht hilfreich, wenn alle Virologen und Impfstoffentwickler betonen, dass es Spätfolgen nicht gibt. Es stimmt, dass die allermeisten Impffolgen bei den meisten Impfstoffen gegen die verschiedensten Erreger in den ersten Wochen, den ersten 2 Monaten auftreten. Dies ist bei den verschiedensten Impfstoffen so gewesen. Aber es gab auch z.B. bei der Schweinegrippe die Erkrankung der Narkolepsie als nachgewiesene Spätfolge der Impfung, die u.a. bei einer Person über 1 Jahr später aufgetreten war

Und diese tatsächlich umfassende Erfahrung auf dem Gebiet der Impfungen, dass also Nebenwirkungen und allgemein Impffolgen in den ersten 2 Monaten auftreten, wird nun auf die neuen mRNA-Impfstoffe übertragen, meist mit dem Hinweis, dass mRNA-Stoffe schon lange bekannt und gut erforscht seien.

Tatsächlich kennt man die mRNA-Technologie schon seit etwa 20 Jahren, aber sie war bisher keine große Erfolgsgeschichte, in einzelnen Fällen besonders zur Krebsbehandlung eingesetzt und ist vor Corona nie bei vielen Personen angewendet worden. Die Erfahrungen in dieser Technologie waren zur Impfstoffentwicklung natürlich sehr hilfreich. Aber Aussagen über mögliche Spät- bzw. Langzeit-Folgen lassen sich natürlich in diesem noch kurzen Zeitfenster der mRNA-Impfung noch nicht treffen. Insofern gilt es die Sorge ernst zu nehmen. Die Möglichkeit von Spätfolgen bei einer neuen Impf-Technologie gänzlich zu verneinen und Menschen, die sich noch darüber sorgen für dumm oder aufklärungsbedürftig zu erklären, ist anmaßend und wissenschaftlich nicht unterfüttert.

Weitere Skepsis betrifft die Frage, ob in Deutschland bei der insuffizienten Datenerfassungs-Lage alle Impf-Nebenwirkungen und -Komplikationen bis hin zu Todesfällen tatsächlich gemeldet und kommuniziert wurden.

 

Meldungen von Impf-Nebenwirkungen

Dieses Thema möchte ich etwas ausführlicher behandeln, weil hierzu in den social media-Kanälen ständig und mit extremen Aussagen kommuniziert wird.

Die Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut von Verdacht auf Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und Todesfällen, die von Ärzten mit der Corona-Impfung in Zusammenhang gebracht worden sind, sind in Deutschland im EU-Vergleich deutlich geringer. Dänemark und die Niederlande verzeichnen etwa viermal mehr Meldungen von Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen als Deutschland.

Auf den social media-Kanälen wird häufiger von einer viel höheren Zahl von Impfnebenwirkungen und hohen Todesfallzahlen infolge der Impfung gesprochen. Dabei wird sich u.a. auf Datensammlungen der europäischen EMA-Datenbank EudraVigilance bezogen.

Verdachts-Fälle möglicher Nebenwirkungen durch Arzneimittel und Impfstoffe aus den EU-Mitgliedstaaten werden dort eingetragen. Für Deutschland meldet dort das Paul-Ehrlich Institut.

Tatsächlich finden sich dort hunderttausende Einträge zu den Nebenwirkungs-Verdachtsfällen der verschiedenen Corona-Impfstoffe. Darunter sind auch Verdachtsfälle tödlicher Ereignisse nach Impfungen. Es handelt sich hier jeweils um Fälle, in denen ein zeitlicher Zusammenhang mit einer Impfung registriert wurde. Es handelt sich hier nicht um bewiesene Zusammenhänge der Verursachung einer Nebenwirkung oder des Versterbens durch eine Impfung.

Die Datenbank ist außerdem so organisiert, dass durch Zählung in den einzelnen Rubriken der Nebenwirkungen, auch Fälle mit mehreren Nebenwirkungen, in denen es zum Versterben kommt, als Todesfälle mehrmals gezählt werden. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist daraus also nicht klar abzuleiten, sie ist insofern geringer als die Summierung dort.

Das Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) selbst geht nach den bei ihnen eingegangenen Meldungen der Ärzte davon aus, dass in Deutschland bisher 1919 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Impfung verstorben sind. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht vom 23.12.2021 hervor. Das Institut spricht von sogenannten Verdachtsfällen, bei denen die Personen „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben sind“ (0-289 Tage). Der Sicherheitsbericht betrachtet den Zeitraum vom Start der Impfkampagne in Deutschland am 27. Dezember 2020 bis zum 30.11.2021.

Demnach wurden bis Ende Juni etwa 123 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland verabreicht. In knapp 197.000 Verdachtsfällen traten Nebenwirkungen und Impfkomplikationen auf. In 26.000 Verdachtsfällen traten in den Tagen nach einer Impfung schwerwiegende, unerwünschte Reaktionen auf, sodass der/die Geimpfte ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dazu zählen auch die Todesfälle.

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird die Zahl der Verdachtsfälle höher, also nicht alle Fälle gemeldet sein. Ob das vierfach so hoch wie die Meldungen in den Niederlanden oder Dänemark sein könnte, ist spekulativ. Weit darüber liegende Zahlen, insbesondere für Todesfälle nach Impfungen, wie sie in einigen social media-Kanälen kursieren, entbehren jedoch einer fassbaren und nachvollziehbaren Grundlage. Dort wird vielfach auch von Datenbanken gesprochen, die in dieser Form gar nicht existieren und von hochprozentiger Zunahme von Krankheiten, die so gar nicht erfasst werden, ja nicht erfasst werden können, auch von Krankenkassen nicht.

Erste ICD-10-Ziffern (ICD: internationaler Katalog der Diagnosen), z.B. U12.9 „Unerwünschte Nebenwirkungen bei Anwendung von Covid-19-Impfstoffen“ wurden in Deutschland erst im März 2021 beginnend neu festgelegt, nachfolgend T88 „Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung, andernorts nicht klassifiziert“. Eine allgemeine Information von Ärzten und die Praxis dieser Diagnose-Verschlüsselung wurde dann mit gewisser Zeitverzögerung durchgeführt, da für den Gebrauch die deutschen Codier-Richtlinien angewendet werden müssen. Todesfälle nach Impfungen wurden unter R96 und R99 textlich auch als „(plötzlicher) Tod mit unbekannter Ursache“ geführt. Aus Statistiken von Krankenkassen lassen sich Behauptungen extremer Krankheitszunahme und von Todesfällen speziell nach Impfungen nicht herauslesen, weil sie so nicht geführt werden.

Eine Orientierung an den Zahlen vom Paul-Ehrlich-Institut, erweitert z.B. durch den Vergleich mit den Niederlanden oder Dänemark in den Meldezahlen, dürften ein realistisches Bild der Nebenwirkungen abgeben. Aber sie nützen wenig, wenn hier nicht die Schwere und die Anzahl nach Altersstufen zur Interpretation angewendet werden. Die Interpretation ist insofern für den hierin unerfahrenen Bürger schwierig, ebenso wie die Erfassung der Seriosität von Informationen aus Internetquellen.

Die Zuflucht zu möglicherweise unseriösen Quellen wird allerdings u.a. gefördert durch die intransparente Kommunikation der Regierung mit den Bürgern, die verunsichert im Gegensatz zu den ‚100%ig sicheren Erkenntnissen‘ der Impfgegner bzw. -leugner, und von einseitigen oder unklar dargestellten Erklärungen wie die Nachricht von Gesundheitsminister Karl Lauterbach Ende Januar: „Boostern senkt Sterberisiko um 99%“. Das wirkt in dieser Knappheit der Aussage auf Bürger, die im Umgang mit solchen Zahlen unerfahren sind, so, als würde man ohne Boosterung bei einer Infektion praktisch chancenlos sein, selbst, wenn man 2-fach geimpft ist.

Es handelte sich hier um Informationen aus den USA vom 4. Dezember, dort noch bei vorherrschender Delta-Variante und ergab eine Zahl von Todesfällen von 9,74 pro 100.000 Einwohner bei Nichtgeimpften, von 0,71 Todesfällen bei 2-fach-Geimpften und 0,1 Todesfällen bei Geboosterten.

Eine kritische Analyse fragt hier z.B. nach, wann nach den Booster-Impfungen die Zahlen erhoben wurden und wie die Altersstruktur der Erhebung war. Denn sie gelten bei Älteren nur bis etwa 3 Monate nach Boosterung. In der Altersgruppe der unter 50-Jährigen gibt es aber überhaupt kein auffälliges Todesfall-Risiko (in Deutschland zusammen für alle unter 50-Jährigen 1200 Todesfälle in der gesamten Pandemie), also ist diese Aussage für sie bedeutungslos. Und bei den über 70-Jährigen hatte ich bereits erwähnt, dass 9 von 10 infizierten Senioren die Infektion überlebt hatten, die Sterberate unter den über 70-Jährigen an Corona auf die Anzahl der Menschen dieses Alters gerechnet bei 0,7% liegt. Diese Zahlen sind gültig für die Phase der Delta-Variante bis etwa Mitte Januar 2022.

Die Aussage des Gesundheitsministers in dieser Kurzform wirkt also bei vielen Bürgern so, dass das Risiko an Corona zu versterben unglaublich hoch ist. Es suggeriert, dass es dafür nur einen Ausweg gibt und das ist die Boosterung. Das kann man natürlich so nicht stehen lassen, insbesondere nicht in der Omikron-Welle mit milderen Krankheitsverläufen, und diese Wirkung seiner Aussage hätte er wissen müssen.

Sie ist allerdings stimmig zur Strategie der Regierung die Impfkampagne als einzige Lösung der Pandemie zu befördern und dies durch Angstauslösung wirksam werden zu lassen. Es ist überhaupt nicht stimmig eine solche Aussage der CDC (zur CDC siehe auch die Zusammenfassung) aus den USA, die für Delta unter bestimmten Rahmenbedingungen galt, in Deutschland zu nutzen zu einem Zeitpunkt, zu dem die Omikron-Variante zu knapp 98% dominant geworden war. Und es ist fragwürdig, diese Aussage ohne ihren Gültigkeitsbereich zu kommunizieren und auf Deutschland anzuwenden.

 

Long-Covid

Wir kennen bei fast allen Virus-Erkrankungen verlängerte Krankheitszustände bei einigen Erkrankten, deutlich etwa bei der Influenza oder beim Pfeifferschen Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus). Die Zahlen dort wurden bei diesen Krankheiten bisher allerdings nicht systematisch erfasst, die Gesellschaft hat dies so hingenommen, bzw., weil dies in den Medien kaum kommuniziert wurde, war dies auch den meisten Menschen nicht bekannt.

Verlängerte Krankheitszustände bei und nach der SARS-CoV-2-Infektion gibt es, hier Long-Covid, teilweise auch Post-Covid genannt. Es gibt hier bisher keine systematische Erfassung. Das liegt u.a. daran, dass es noch keine gesicherte, international verbindliche Definition von Long-Covid gibt. Denn wir beobachten viele subjektiv geäußerte Beschwerden wie u.a. anhaltende Luftnot, hochgradige Schlappheit, Kopf- und Körperschmerzen, depressive Symptome, Gedächtnis- und Konzentrations-Probleme, aber noch keine allgemeingültigen Laborwerte, Röntgen-Auffälligkeiten oder Scores standardisierter Tests.

Es wird nun viel geforscht und es gibt weltweit schon einige Studien, die ganz unterschiedlich und so kaum vergleichbar sind. Man hat u.a. auch festgestellt, dass es vielfach genau dieselben Symptome sowohl bei Menschen mit nachgewiesener Corona-Infektion und bei Menschen ohne Hinweis auf eine solche Infektion gibt, die aber eine starke Belastung in der Pandemiezeit angeben. Dies haben wir bei Aufnahmen von Patienten in den Gezeiten Haus Kliniken ebenso festgestellt

Es ist möglich, dass es verschiedene Ursachen für gleiche Symptome gibt, also z.B. die Ursache Infektion und oder die Ursache Lockdown. Da aber der Lockdown ja auch für die Menschen mit Infektion gegolten hat, könnte der Zusammenhang mit dem Lockdown überwiegen.

Wenn man dies alles beachtet, ist zu klären, was und in welchen Fällen es sich um schon vorbestehende ME/CFS-Symptomatiken, Long-Covid oder Lockdown-Folgen handelt oder auf der anderen Seite um davon abgrenzbare vorbestehende Depressionen und Traumafolgestörungen, die allerdings im Lockdown sich oft verschlechtert haben. Aber auch diese Menschen konnten sich natürlich noch mit Corona infizieren.

Bei Erwachsenen gab es bezüglich eines der Hauptsymptome bei Long Covid-Verdacht, der chronischen Erschöpfung, bereits vor der Pandemie Forschungen zu dem ME/CFS-Syndrom (myalgische Enzephalitis/chronisches Fatigue-Syndrom), die beispielsweise Ursachen im Bereich der Zell-Mitochondrien von gestressten PBMC-Zellen (z.B. Monozyten und Lymphozyten) mit erschöpfendem ATP-Verbrauch oder im Auftreten von Neurotransmitter-Rezeptor-Auto-Antikörpern untersuchten. Bisher hat sich hier noch kein eindeutiger Biomarker als sehr hilfreich bzw. beweisend herauskristallisiert.

Allerdings lässt eine Erlanger Untersuchung aufhorchen, in der nach Corona-Infektionen Veränderungen von Blutzellen im Bereich von Eigenschaften wie Verformbarkeit, Größe und Stabilität von roten und weißen Blutkörperchen gesehen wurden. Dies könnte möglicherweise bei klinischer Reife der Untersuchung konkret virusbasierte Long Covid-Prozesse nachweisen.

Dies sind allerdings Untersuchungen und Beobachtungen aus der Delta-Phase. Die Delta-Variante war in der Lage über den Schleimhautbereich hinaus in den Lungen- und Gefäßbereich einzudringen als Voraussetzung für Veränderungen an den Blutzellen. Die Omikron-Variante hat diese Möglichkeiten offensichtlich nicht oder nicht ausgeprägt, so dass hier vermutlich ein Hinweis liegt, dass nach einer Omikron-Infektion eine verringerte oder gar keine Gefahr eines primär virusbasierten Long Covid-Prozesses besteht. Dies wird weitere Forschung ergeben.

Wir in den Gezeiten Haus Kliniken verfolgen die Forschungsergebnisse intensiv, da wir ME/CFS schon vor der Pandemie und aktuell auch Long Covid-Symptomatiken incl. Lockdown-Folgen behandeln.

Aber es finden sich gemäß der deutschen S1-Leitlinie Long-Covid/Post-Covid bereits klarere Kriterien für eben auch primär oder gekoppelte virusbezogene Langzeitfolgen. In einigen Studien wurden nach Infektionen, insbesondere mit der Delta-Variante, auch Veränderungen in verschiedenen Organen festgestellt. Es ist bekannt, dass das Delta-Virus, wenn es der Immunabwehr in den Schleimhäuten entkommen konnte, Organschäden verursachen kann. Dies kann allerdings auch durch überschießend aktivierte Faktoren des Immunsystems verursacht werden, wenn es außer Balance gerät. Über die Häufigkeit solcher Organschäden gibt es noch keine Klarheit, hier bedarf es weiterer Forschung, speziell auch für die Infektionen mit der Omikron-Variante.

Wir wissen aber aus unserer Behandlungserfahrung, dass psychosomatische Behandlungen, die sowohl körperliche als psychische Problemlagen integriert behandeln, in der Regel guten Erfolg haben. Auch die meisten Menschen, die diese Symptome eindeutig nach der Corona-Infektion entwickeln, sind nach etwa 3-6 Monaten wieder symptomfrei.

Auf der Internetseite unserer Gezeiten Haus Kliniken www.gezeitenhaus.de finden Sie an den Standorten Bonn und Wendgräben umfangreiche Informationen zu unseren Long Covid-Behandlungen unter dem Menüpunkt „Behandlungsfelder“ weiter unten.

 

Aktuelle Informationen zu der Omikron-Variante

Die Omikron-Welle ist offensichtlich gerade an ihrem Peak angekommen, wir werden in den nächsten Tagen und Wochen einen Rückgang der Inzidenzen sehen. Die Erwartung, dass die Omikron-Variante zwar ein großes Verbreitungspotential, aber mildere Verläufe hat, hat sich bestätigt. Dass auch Omikron für ältere Menschen mit Vorerkrankungen und einem geschwächten Immunsystem noch Gefahrenpotential für schwere Verläufe, Intensivbehandlungen und auch das Sterben beinhaltet, ist in gewisser Zahl zu erwarten. Wir wissen, dass insbesondere Menschen am Ende ihres Lebens häufig an Bagatell-Infektionen, z.B. mit sonst banalen Erkältungsviren versterben, man schätzt diese Zahl auf etwa 10.000 Sterbefälle jedes Jahr. Dies wird auch bei Omikron-Infektionen so stattfinden.

Aber wir wissen inzwischen einige Details, weshalb das Omikron-Virus aus sich und seinen Möglichkeiten heraus, mit großer Wahrscheinlichkeit weniger gefährlich ist.

Das Virus befällt hauptsächlich die oberen Atemwege incl. der Bronchien, aber nicht die Lungen selbst. Omikron-Viren docken wie ihre Vorgänger initial an den ACE2-Rezeptoren der Schleimhautzellen an und nutzen auch das Enzym Furin aus den menschlichen Körperzellen, um die Bindung an die Rezeptoren als Vorbereitung für den Zelleintritt zu verbessern und zu beschleunigen (sogenannte S1/S2-Furin-Spaltstelle). Sie können dann allerdings aufgrund ihrer Mutationsveränderungen die Alarmsignale in den Zellen, die das Virus erkennen, nicht so wirksam unterdrücken wie das Delta-Virus. Das hat zur Folge, dass bei Omikron die Interferonproduktion der befallenen Zellen infolge des erhaltenen Alarms weiterhin kräftig stattfindet und die ganze Immunabwehrkaskade aktiviert. Dadurch hat das Omikron-Virus kaum Chance sich länger zu vermehren.

Es gibt ein weiteres Zellmembran-Protein der Zelloberflächen, besonders ausgeprägt bei Lungenzellen, die sogenannte Transmembrane Serin Protease 2 (TMPRSS2), die zwar auch zu normalen Zellfunktionen gehört, aber doch auch Viren den Eintritt z.B. in Lungenzellen stark erleichtert. Das konnte auch die Delta-Variante sehr gut nutzen für den Zelleintritt in Lungenzellen. Die Fähigkeit bei Omikron diesen Mechanismus zu nutzen, ist mutationsbedingt deutlich verringert. Dies ist ein spezieller Grund, weshalb Omikron sich in Lungenzellen nicht suffizient vermehren und Lungenentzündungen hervorrufen kann. Lungenentzündungen und dortige unbalancierte Immunreaktionen waren ja Hauptgründe für schwere und lebensbedrohende Verläufe bei alten und immungeschwächten Menschen.

Insofern bleibt Omikron in der Regel auf Schleimhaut-Niveau, zirkuliert mehr in der Atemluft und kann sich so besser unter den Menschen verbreiten. Eine primär höhere Ansteckungsfähigkeit oder eine höhere Viruslast bei Ansteckung ist dagegen nicht gefunden worden. Aber, weil die neutralisierenden Antikörper bei Geimpften in Abhängigkeit von der Entfernung vom Impfzeitpunkt recht rasch absinken, aber auch aufgrund der verringerten Spezifität, also geringerer Neutralisierungskraft, findet das Omikron-Virus ausreichend neue menschliche Wirte. Dies begründet die rasante Ausbreitung, die vorgenannten Mechanismen die milderen Verläufe.

Einige der hier genannten und weitere erforschte Immunprozesse bei Omikron sind auch Laborexperimente, die Übertragbarkeit auf lebendige Menschen dürfte aber gegeben sein, da die Folgerungen aus diesen Experimenten durch das reale Geschehen bestätigt wird.

Ein nur moderater Anstieg der Intensivfälle ist zu beobachten, eine Überlastung der Intensivstationen ist bisher nicht sichtbar geworden und wird von den Krankenhäusern auch nicht mehr erwartet. Eine Steigerung der Patienten auf den Normalstationen liegt an der Gleichzeitigkeit der vielen Erkrankungen, bei der sich natürlich auch behandlungsbedürftige Verläufe vermehren. Die Krankenhäuser haben sich darauf so gut wie möglich vorbereitet und geben allgemein Entwarnung.

Es wird durch die Regierung die Impfkampagne aber weiterhin vehement propagiert, weiterhin auch, dass das Impfen vor schwerem Verlauf schützt, aber hauptsächlich das Boostern. Die meisten Studien beziehen sich dabei auf die Delta-Variante, darauf wird bei Verweisen auf Studien nicht hingewiesen, bei Omikron ist vieles davon nicht untersucht. Es ist aber in einigen Studien nachgewiesen, dass das Boostern kurzzeitig die Zahl der Antikörper gegen das Spike-Protein erhöht und das Immunsystem sozusagen noch einmal unspezifisch breiter aufweckt, aber die Neutralisierungskraft der Antikörper selbst ist dabei deutlich reduziert. Die festgestellte gewisse kurzzeitige Schutzwirkung nach dem Boostern bezüglich schwerer Verläufe und des Sterberisikos ist vermutlich eher der allgemeinen Aktivierung des Immunsystems zuzurechnen als der spezifischen Impfreaktion. Aber so kann man Boostern zumindest begründen.

Aufgrund der vielen asymptomatisch ablaufenden Infektionen bei Omikron bei Geimpften und Nichtgeimpften besteht aber die Gefahr, dass man in eine laufende Infektion hineinimpft. Das ist aus ärztlicher Sicht bedenklich, Impfen mit aktiven Impfstoffen in ein florides Geschehen hinein vermeidet man in der Medizin grundsätzlich, da die Reaktionen nicht immer vorhersehbar sind.

Aus diesen Gründen und wegen der wenig verlässlichen Spezifität und Wirksamkeit der Impfstoffe sollte man die Propagierung des Boosterns für alle verlassen und dies für die älteren, die in ihren persönlichen Schutzräumen ihrer Wohnung oder ihren Alters- und Pflegeheimen gemäßigtere Sozialkontakte haben und sich inzidenzmäßig seltener anstecken, forcieren in aller Freiwilligkeit. Bei Älteren finden sich auch eher symptomatische Infektionen, so dass man beim Boostern weniger Gefahr läuft in eine floride Infektion zu impfen und das Boostern im Infektionsfalle sein lassen kann, da die Infektion danach besser schützt.

 

Zusammenfassende und kritische Gedanken

Die Viren und die Menschen sind Teil der Natur. Die Viren sind älter. Die Menschen sind von Beginn an in dieser Virenwelt aufgewachsen, ihr Immunsystem ist gerade durch die Viren geprägt und entwickelt. Durch diese an die Viren angepasste und so sehr erfolgreiche tägliche Arbeit des Immunsystems können wir überhaupt überleben.

Das SARS-CoV-2-Virus ist kein Killervirus, über 99% aller Menschen in Deutschland haben mit ihrem Immunsystem einen Umgang mit diesem beim Menschen noch nicht bekannten Virus gefunden, symptomlos, symptomatisch, seltener auch mit schweren Verläufen und länger anhaltender Symptomatik.

Gefährlich konnte eine Infektion mit SARS-CoV-2 insbesondere bei alten Menschen werden, deren Immunsystem im hohen Alter schwächer geworden war oder bei schweren Vorerkrankungen nicht mehr die Kraft hatte, das Virus abzuwehren. Viren sind am Ende des Lebens zwar häufig daran beteiligt, wenn das Leben endet oder in anderer Sicht ein Wechsel in die seelisch-geistige Welt stattfindet, aber man hätte diese alten Menschen bei SARS-CoV-2 besser schützen können, wenn man in Alters- und Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege konsequent täglich getestet hätte. Dies war ja vielfach unterblieben im Vertrauen auf die vermeintlich anhaltende Schutzwirkung der Impfungen bei der Virusweitergabe.

Schwere Verläufe und seltene Sterbefälle gab es insbesondere auch dann, wenn das Immunsystem im Laufe des Lebens in seiner Vitalität gestört wurde, beispielsweise bei Schwächung des Immunsystems durch schwere Erschöpfung, anhaltende Angst und Dauerstress, Depressionen, hohem Alter, schweren Vorerkrankungen und auch krankheitsförderndem Lebensstil, selten auch bei auf das Virus bezogene genetische Schwäche. Auch ein starkes Leiden unter Pandemie-Maßnahmen und -Einschränkungen durch Armut, enge Wohnverhältnisse, Gewaltbeziehungen in Familien und Nicht-Weiter-Behandlung vorbestehender psychischer und psychosomatischer Krankheiten in der Pandemie konnte das Immunsystem der betroffenen Menschen stark schwächen.

Es sei noch einmal hier gesagt, dass die Psychosomatik Zusammenhänge und Interferenzen zwischen tatsächlichen körperlichen und psychischen Symptomen erfasst und in der Forschung eine hohe Evidenz aufweist. Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass Psychosomatik nur für psychische Symptome zuständig ist. Sie schließt genauso körperliche Symptome und entsprechende Diagnostik mit ein.

Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie zeigen hier, dass auch Erwartungen, dauerhafte Einstellungen und lang vorherrschende Gedanken eine physiologisch nachweisbare Folgewirkung bis hinunter auf die Zellphysiologie, z.B. die Epigenetik haben. Dies betrifft z.B. die Erwartungen, die den Placeboeffekt (die Erwartung: es wird gefallen, nützen) betreffen, aber auch den Nocebo-Effekt (die Erwartung: es wird schaden), die sich z.B. in der Verträglichkeit von Medikamenten bzw. oder Impfstoffen oder aber einer höheren Nebenwirkungsrate dabei auswirkt.

Beispielsweise reagiert die Immun-Abwehr im Mund/Nase/Rachen-Raum innerhalb von Minuten messbar mit einer Erhöhung der Produktion und Ausschüttung von sogenannten IgA-Globulinen bei freudigen oder rührenden Emotionen und Gedanken, im Gegensatz dazu mit einer Erniedrigung bei negativen oder hässlichen Emotionen und Gedanken. Im ersteren Falle ist die erste Abwehrlinie bei der Virusabwehr gestärkt, im anderen Fall geschwächt.

In diesem Zusammenhang hatte ich auch schon gesagt, dass regelmäßiges QiGong-Üben zu einem Anstieg von T4 und T8-Immunzellen führt. Wer jetzt im Frühling einen QiGong-Kurs belegt und das jeweils Gelernte regelmäßig zuhause übt, der hat im Herbst sicherlich eine deutlich verbesserte Gesundheitslage und ist auf eventuelle epidemische Entwicklungen gut vorbereitet. Das führt dann ggf. auch aus dem Gefühl von Ausgeliefertsein und Angst in der Pandemie/Epidemie heraus und stärkt die Selbstwirksamkeit.

Es ist wichtig, dabei hinzuweisen, dass es sich bei Erkenntnissen aus der Psychosomatik, der Psychoneuroimmunologie und den Wirkungen durch QiGong nicht um Banalitäten, Einbildungen oder Sondersituationen handelt, sondern um fundamentale Erkenntnisse, wie Menschen tagtäglich physiologisch funktionieren, also um das Normale!

Die Politik und auch viele medizinische Wissenschaftler zeigen eine große und folgenschwere Unkenntnis in diesem Bereich fundamentalen Menschseins und haben offensichtlich unter ihren Experten und Beratern keine Psychosomatiker.

Anders ist das undifferenzierte Beharren auf der angeblichen extremen Gefährlichkeit dieses Virus, die zwanghafte Verengung der Sicht auf die Wirksamkeit der Impfkampagne und die Strategie einer Kommunikation mit Angstauslösung und Panikszenarien kaum zu verstehen. Und wir sehen, wie schwer sich die deutsche Politik tut, den in der Omikron-Variante gebotenen Ausstieg aus dem Maßnahmen-Katalog der Pandemie zu finden.

Politik konnte sich nicht vorstellen, dass gut sitzende Masken und eine ggf. tägliche Teststrategie bei einem „Killervirus“ entscheidend wirksame Massnahmen sein könnten. Das Immunsystem, obwohl entscheidender Player, fand in der Kommunikation überhaupt nicht statt, wurde nie erwähnt! Nur die Impfung war der Heilsbringer für alle.

Die Impfung war für die sehr alten Menschen und alle Menschen mit schweren Vorerkrankungen erst einmal ein Segen und es war richtig hier nach Alter zu priorisieren. Aber gerade bei alten Menschen hätte man die Immun-Antworten kontrollieren müssen, damit Non-Responder nicht in falscher Sicherheit lebten.

Politik hätte zudem sofort reagieren müssen, nachdem die Erwartung eines langanhaltenden Impfschutzes und auch ausreichender Wirksamkeit gegenüber der neu aufgetretenen Delta-Variante sich als unrichtig gezeigt hat. Dies war aus der Forschung bereits im Juli 2021 klar, dies ist der Bevölkerung gegenüber nicht kommuniziert worden, war im Bundestagswahlkampf kein Thema.

Und die Impfstoff-Hersteller müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht rechtzeitig nachgesteuert hatten mit Impfstoffen angepasst an die Delta-Variante. Hier haben sie die grundgesetzlich verankerte Gemeinwohl-Verpflichtung ignoriert, was allerdings heutzutage in der „marktorientierten Demokratie“ für viele Unternehmen bereits Normalität ist und im Übrigen bisher ohne Konsequenzen bleibt.

Beides hatte für die 4.Welle im Herbst wie vorbeschrieben fatale Auswirkungen, kommunikativ nur als Problem der Impflücke bei Alten und den „Ungeimpften“ zugeschrieben ohne Reflexion des eigenen Regierungs-Handelns bei einem Laufenlassen der völlig insuffizienten Datenlage.

Stattdessen wurden immer wieder Studien präsentiert, die beweisen sollten, dass die Impfstoffe auch bei der Delta-Variante und jetzt auch bei der Omikron-Variante sehr gut wirksam sind. Vieles davon ist bei genauerem Studium nur für Laborversuche nachzuvollziehen mit eingegrenzten Rahmenbedingungen, die nicht ohne weiteres auf den lebendigen Menschen in seiner Auseinandersetzung mit den Viren übertragbar ist. Die Einschränkung der zeitlichen Wirkung beim Boostern auf der Antikörperebene auf höchstens 3 Monate wird aktuell ja von keinem Virologen oder Epidemiologen mehr bestritten.

Viele dieser Studien kamen aus den USA und waren auf deutsche Verhältnisse nur eingeschränkt übertragbar. Die meisten Studien wurden von der CDC präsentiert, einer amerikanischen Gesundheitsbehörde, vergleichbar mit dem Robert-Koch-Institut (RKI).

Wirtschaftlich ist die CDC allerdings ganz anders verflochten mit den Pharmaunternehmen und Stiftungsgeldern, die die Forschungen finanziell unterstützen. Auch der Staat ist an der Pharmawirtschaft über Beteiligungen verflochten, z.B. bei Moderna. Und die weltweit größte US-Pharmafirma Pfizer ist nicht ohne Einfluss auf die Gesundheitspolitik. Solche Einflüsse finden sich in Darstellungen von Ergebnissen und Optimierungen statistischer Rahmen und Rahmenbedingungen, auch im Nicht-Erwähnen von Geltungsbereichen, Gruppendifferenzierungen usw.. Das Geschäft soll ja nicht unter Studienergebnissen leiden, sondern die Gewinne fördern, wenn die Forschung schon mit viel Geld unterstützt wurde.

Der unbefangene Bürger, der hier keine Einblicke hat, kann das oft gar nicht glauben, dass so etwas möglich ist. Es ist allerdings immer wieder Realität hinter den Kulissen, hierüber gibt es genügend seriöse medizinkritische Literatur, die das aufweist. Ein bekanntes Beispiel sind hier einige Cholesterin-Forschungen, über die ich selbst in meinem Buch „Schutz vor Burn-out“ kritisch geschrieben habe.

Aufgrund dieser vielfältigen finanziellen Kontaktflächen der CDC-Forschungen mit Pharmaindustrie und Stiftungskapital in den USA, die sich unter der Präsidentschaft von Donald Trump noch verstärkt in diesem Sinne ausgerichtet hatte, prüfe ich diese Studien sehr genau und verlasse mich nicht einfach auf sie. Über die Hinterfragbarkeit der Studien-Aussage aus CDC-Forschung „Boosterung senkt die Sterblickeit bei Corona um 99%“, die von der Bundesregierung aufgegriffen wurde, habe ich bereits gesprochen.

Die Krankenhauslandschaft hat sich in den letzten Jahren ja ebenfalls geändert, viele kommunale Krankenhäuser wurden von großen privaten Krankenhaus-Ketten aufgekauft. Der vor der Pandemie bereits ausgeprägt entstandene Pflegenotstand ist auch der Rendite-Erwartung der Aktionäre von 15 % des Umsatzes bei großen internationalen privaten Krankenhaus-Playern geschuldet. Dies war nur möglich mit deutlichem Personalabbau. Es wurde viel darum geredet, aber es gab und gibt keine klugen Strategien, die von der Politik trotz Ankündigung verfolgt wird, weder in der Ausbildung noch in der Bezahlung. Eine Rekrutierung aus dem Ausland muss auch immer die Notwendigkeit des Bedarfs an Pflegepersonal in dem jeweiligen Land im Auge behalten, hier darf nicht unbegrenzt „gewildert“ werden.

Die Krankenhausfinanzierung und die Finanzierung von Intensivbetten muss sicherlich überdacht werden, da hier Fehl-Entwicklungen gebahnt sind. Die Alarm-Informationen von den Intensivstationen sind bei den fraglich rational begründeten Belegungs-Kriterien zu hinterfragen. Wieso Deutschland mit seiner 4-5-fachen Kapazität an Intensivbetten gegenüber vielen EU-Ländern wie z.B. Dänemark nicht auskommt, kann nicht in einer größeren Krankheitsschwere der Corona-Pandemie in Deutschland begründet sein.

Unsere Gesellschaft hat also viele Aufgaben vor sich, vieles davon war oder wurde bisher der Pandemie zugeschoben, obwohl es nicht pandemiebedingt war. Die ständige Betonung der drohenden Gefahr der Überlastung des Gesundheitswesens, respektive der Intensivstationen wurde mittlerweile ein Hauptargument für die einschränkenden Massnahmen, obwohl es nie zu einer Überlastung kam und die zeitweilig gegebene Verknappung der Intensivbetten durch Abbau von ca. 5000 Betten seinen Grund in der politisch zu verantwortenden Personalnot hatte.

 

Aussicht

Die wirtschaftlich besonders betroffenen Kultureinrichtungen und Kleinunternehmen der Gastronomie und Hotelgewerbe müssen jetzt sofort Unterstützung bekommen, Perspektiven und Anerkennung seitens der Politik als wichtige und für Bürger in ihrem Alltag systemrelevante Unternehmungen.

Es geht jetzt bei der begonnenen Diskussion um die Öffnungs-Perspektiven aus den Corona-Maßnahmen zum einen um eine gute kritische Aufarbeitung. Zum anderen gilt es die verhärteten Positionen und Schuldzuweisungen zu beenden und die Energie in ein kreatives fruchtbares Aufeinanderzugehen und Versöhnen zu leiten. Der Frühling wird dies auf seine hoffnungsvolle Art unterstützen.

Impffanatiker und radikale Verschwörungserzähler werden weniger Futter bekommen, auch, weil die mediale Berichterstattung darüber an Kraft verlieren wird.

Die Schuldzuweisungen an einige Homöopathen und Waldorf-Ärzte/Heilpraktiker, die für sich ein narzistisch zu nutzendes Feld in der Pandemie gefunden hatten, wird, auch wenn Homöopathie einigen Ärzten und Gesundheitsfunktionären ein Dorn im Auge ist, nicht länger auf die gesamte Berufsgruppe ausgedehnt bleiben, weil viele von ihnen bekanntermaßen täglich gute und verantwortungsvolle Arbeit machen (mehr als die Hälfte der Deutschen lassen sich übrigens fast immer oder zeitweilig mit Homöopathie behandeln).

Die eingeschränkte Sicht in den Strategien der Regierung wird unter Rückgang der Bedrohung durch Corona vermutlich wieder etwas weiter und klarer werden und das Vertrauen der Politik in die Bürger wieder zunehmen. Das ist auch dringend erforderlich, weil umgekehrt das Vertrauen in die Politik stark geschwunden ist.

Die Debatte um die Impfpflicht kann dabei das Vertrauen weiter verspielen durch Einführung einer wissenschaftlich nicht haltbaren Impfpflicht oder über einen echten Dialog mit den Bürgern den Herbst mit transparent kommunizierten Ideen für ein angemessenes Vorgehen im Interesse der Gesundheit und Demokratie für ein Wiedergewinnen von Vertrauen nutzen.

Für die Impfpflicht und weitere drängende Fragen der Gesellschaft sollte zügig auch das Format des Bürgerrats, das ja erstmalig letztes Jahr stattgefunden hat, wieder tagen, dann allerdings medial wirksam balanciert und verantwortungsvoll begleitet.

So ergibt sich auch ein gemeinsames Lernen für zukünftige Pandemien und schon ein kluges, menschliches und bürgergerechtes Vorgehen im Herbst 22.

In diesem Sinne kann jeder für sich Schuldzuweisungen beenden, die noch vorhandenen Wunden aus der Pandemie pflegen und ggf. behandeln lassen – gerade psychische Folgen aus der Pandemie besonders bei Kindern werden uns als große Herausforderung noch länger begleiten - und dann aber wieder gemeinsam mit anderen zunehmend kreativ, lebendig und lebensfroh und mit ggf. angemessener Vorsicht, falls noch notwendig, im beginnenden Frühjahr in zukunftsfähige Gestaltungen eintreten.

Die Gesellschaft kann sich dann auch wieder den drängenden Themen, die vor der Pandemie schon bestanden haben, wie z.B. die Verbesserung der Situation der Kinder, Neugestaltung für Lernfreude in der Schule, Ausgestaltung von Klima-Herausforderungen, eine bürgerfreundlichen Digitalisierung, die Wieder-Anbindung von multinationalen Unternehmen an grundgesetzliche Gemeinwohl-Pflichten, die Beseitigung des Pflegenotstandes und generell die Lebensfreude unter den Menschen, wieder kraftvoll widmen.

Ich danke für Ihr interessiertes Lesen.

 

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